Aktuell ist am Obernzenner See Hochsaison. Im nächsten Jahr müssen die Gäste allerdings auf das abkühlende Bad verzichten, denn im bevorstehenden Herbst wird das Wasser abgelassen, um eine Überprüfung und Sanierung der Stauanlage vorzunehmen.
Untersucht wird, ob der Damm und seine Betriebseinrichtungen nach 40 Jahren und den beiden Hochwasserereignissen von 2016 und 2021 noch den aktuellen Anforderungen entsprechen. Außerdem werden bereits bekannte Defizite behoben. So sind unter anderem die Erneuerung der Sickerleitung am Dammfuß sowie die Sanierung der Grundablassleitung vorgesehen.
Der für den Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim zuständige Abteilungsleiter des Wasserwirtschaftsamts in Ansbach, Heiko Moßhammer, hat dem Marktgemeinderat den vorgesehenen Zeitplan vorgestellt. Zunächst wird ab Ende September der Wasserspiegel des Sees über vier bis sechs Wochen langsam abgesenkt. „Das Maximale sind zehn Zentimeter am Tag, damit der Damm keine Abrutschungen erfährt.“
Währenddessen werden Mitarbeitende von Wasserwirtschaftsamt und örtlichem Bauhof die Muscheln absammeln und in die Zenn sowie das Hochwasserrückhaltebecken Oberaltenbernheim umsiedeln. „Am 2. November wollen die Aktiven des Fischereivereins Obernzenn dann die Fische aus dem See entnehmen“, kündigte Moßhammer an. Da der Verein seine Erfahrungen aus der Zeit der letzten Absenkung vor rund zehn Jahren einbringe, organisiere der Vorstand die Arbeiten eigenständig.
Verschiedene Maßnahmen – wie der naturschutzfachliche Ausgleich, die Sedimentuntersuchung und -analyse sowie auch die Zustandsbewertung des Dammbauwerks – seien bereits im Gange, so Moßhammer weiter. Schon Anfang 2023 sei sogar mit der hydrologischen und hydraulischen Überprüfung begonnen worden, mit erfreulichen Ergebnissen: „Unter Einbeziehung aktueller Klimadaten haben wir ermittelt, dass in der Zenn noch einige Dezimeter Platz zur Abführung einer anlaufenden Hochwasserwelle wären.“
Man könne also künftig mehr Wasser in den Fluss ablassen. Die Hochwasserentlastung aufgrund der Vollfüllung des Sees erfolge dadurch später, wodurch sich der Schutzgrad für Obernzenn erhöhe. „Entsprechend in etwa einem hundertjährlichen Hochwasserereignis plus eines Klimaaufschlags von 15 Prozent.“ Damit die Zenn oberhalb des Sees während der geplanten Maßnahmen ihren üblichen Wasserspiegel behält, werden Spundwände eingesetzt.
Komplett trockengelegt wird der See außerdem nicht. Die gewohnten Wassermengen der Zenn fließen weiterhin hindurch. Da sich im westlichen Bereich des Sees schutzwürdige Biotope befinden, ist die Schaffung von Mulden als Ersatzlebensraum für Tiere und Pflanzen vorgesehen. Diese füllen sich mit Grundwasser und bleiben dauerhaft bestehen.
Ab Mitte des kommenden Jahres beginnt die Sedimenträumung. Geplant ist die Ausbringung auf landwirtschaftlichen Flächen. „Eine bereits durchgeführte Beprobung hat die landwirtschaftliche Verwertbarkeit bestätigt.“ Bis jetzt seien dem Wasserwirtschaftsamt 12,4 Hektar gemeldet worden, weitere könnten noch berücksichtigt werden. Im letzten Quartal 2025 wird der See vom Oberlauf her neu befüllt. Im Sommer 2026 kann wieder gebadet werden.
Außerdem haben sich die Gemeinde und der Freistaat Bayern, vertreten durch das Wasserwirtschaftsamt, auf die Finanzierung der geplanten Maßnahmen sowie des künftigen Unterhalts und Betriebs verständigt. Wie in den vertraglichen Vereinbarungen festgeschrieben, die der Obernzenner Marktgemeinderat beschlossen hat, kommt für die Überprüfung und die sich daraus ergebenden Instandsetzungen der Freistaat Bayern auf. Die aktuelle Kostenschätzung einschließlich Sedimenträumung beträgt 1,3 Millionen Euro.
Für den zukünftigen Unterhalt und den Betrieb der wasserwirtschaftlichen Anlagen bringt sich in der Folge die Marktgemeinde Obernzenn ein. Zu deren Aufgaben gehören dann unter anderem Grundwassermessungen, die Pflege des Dammbewuchses sowie die Beobachtung und Meldung von Hochwasserereignissen.
Informationen stellt das Wasserwirtschaftsamt Ansbach auf einer Internetseite bereit.