Rothenburger Stadträte machen einen Ausflug in den Wald | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 19.10.2023 14:27

Rothenburger Stadträte machen einen Ausflug in den Wald

Forstamtsleiter Daniel Gros erklärte aktuellen und ehemaligen Gremiumsmitgliedern sowie Angehörigen und Mitgliedern der Verwaltung am Dienstag, welche Maßnahmen nötig sind, um den Wirtschaftswald zu erhalten. (Foto: Karl-Heinz Gisbertz)
Forstamtsleiter Daniel Gros erklärte aktuellen und ehemaligen Gremiumsmitgliedern sowie Angehörigen und Mitgliedern der Verwaltung am Dienstag, welche Maßnahmen nötig sind, um den Wirtschaftswald zu erhalten. (Foto: Karl-Heinz Gisbertz)
Forstamtsleiter Daniel Gros erklärte aktuellen und ehemaligen Gremiumsmitgliedern sowie Angehörigen und Mitgliedern der Verwaltung am Dienstag, welche Maßnahmen nötig sind, um den Wirtschaftswald zu erhalten. (Foto: Karl-Heinz Gisbertz)

Die Auswirkungen des Klimawandels standen im Mittelpunkt des Waldtags des Stadtrats. Auf welche Herausforderungen müssen wir uns einstellen? Welche Maßnahmen müssen wir ergreifen, um unsere Wälder vor den Folgen von Dürreperioden, Stürmen, Schädlingen und Waldbränden zu schützen?

Forstamtsleiter Daniel Gros führt seine Zuhörerinnen und Zuhörer auf eine Anhöhe zwischen Walkersdorf und Schillingsfürst, um dort eine kleine Versuchsfläche für zwei alternative Baumarten vorzustellen. Auf dem Areal war einst die Fichte zuhause, nun wurden hier versuchsweise die Libanonzeder und die Gelbkiefer angepflanzt.

Die Baumarten der Zukunft tolerieren mehr Trockenheit

Beide Baumarten könnten in Zukunft bei der Waldbewirtschaftung eine entscheidende Rolle spielen. „Wir haben keine großen Stückzahlen gekauft, sondern jeweils nur 20 Exemplare, die 2019 hier gepflanzt wurden“, erklärte er.

Die Libanonzeder mit ihrer ausladenden Krone kommt aus der Türkei, dem Libanon und Syrien. Sie ist wie die Gelbkiefer außerordentlich trockenheitstolerant. Die Gelbkiefer kann bis zu 70 Meter hoch werden und besteht aus schwerem Holz. Auf die Frage, wie man denn ausgerechnet auf diese Baumarten gekommen sei, erklärte Gros, dass die Forscher die Vegetation in „Analogländern“ untersuchen. Gemeint sind damit Regionen, in denen jetzt schon klimatische Verhältnisse herrschen, die hier vielleicht erst in 80 Jahren herrschen werden.

Analogregionen für den Raum Ansbach seien zum Beispiel das Rhonetal zwischen Lyon und Avignon, Südfrankreich oder Kroatien. Die Forschung versucht Antworten zu finden auf die Fragen, wie dort der Wald bewirtschaftet wird und welche Maßnahmen dort ergriffen werden. „Alles spricht jedenfalls dafür, dass wir es mit einem harten Klimawandel zu tun haben werden.“

Die einzige Konstante ist die Veränderung

In den heimischen Wäldern wolle man nun beobachten, wie sich diese beiden Baumarten entwickeln. Der Wandel schreite unglaublich schnell voran. Daher die Einschätzung des Forstamtsleiters: „Die einzige Konstante, die wir haben, ist die Veränderung.“ Einen Wald werde es zwar in 100 Jahren auch noch geben, „aber der wird mit Sicherheit völlig anders aussehen.“ Er rechne damit, dass zum Beispiel die Fichte in zehn Jahren verschwunden sei. „Da mache ich mir keine Illusionen. Auch Buchen und Kiefern machen große Sorgen.“

Neupflanzungen wie im Distrikt 26 Wuhl bei Schillingsfürst würden im Moment einfach nur Geld kosten. „Einen stattlichen Baum sehen wir dann vielleicht erst in 80 Jahren.“ Gros wies außerdem darauf hin, dass sich der Wald im Sommer unheimlich aufheizt. „Eigentlich müsste man bewässern, aber das ist bei dieser Fläche unmöglich.“

Nach einer kurzen Wanderung verweilte die Gruppe in einem ehemaligen Fichtenbestand. „Das Käferholz zwingt uns zum Handeln.“ Man müsse neu pflanzen und steuern, dass ein Wald entsteht, „von dem unsere Nachfolger eines Tages profitieren können.“ Der Wirtschaftswald sei für die Stadt Rothenburg auch im Blick auf finanzielle Erträge von größter Bedeutung.

Nach der Kaffeepause ging es zum Bügelhof

Nach einer Kaffeepause ging es mit dem Bus weiter zum ehemaligen Bügelhof zwischen Kleinansbach, Hausen am Bach und Brettheim. Gros ging dort auf die bewegte Geschichte des 700 Jahre alten Gutshofes ein. 1862 wurde der Bügelhof von den Besitzern an die Stadt Rothenburg verkauft, die sich 1887 entschloss, mangels Kaufinteressenten den Hof aufzugeben und die zugehörigen Flächen aufzuforsten.

Schon am Vormittag hatte der Stadtrat – es waren auch Ehemalige sowie Angehörige dabei und Mitglieder der Verwaltung – ein straffes Programm zu absolvieren, das die Gruppe etwa in den Comburger Stadtwald (Distrikt 24) geführt hatte. Dort ging es um die Beurteilung der Qualität von Stammholz.

Entscheidend für dessen Rentabilität sei eine rechtzeitige Ästung der Bäume. Im Mittelpunkt stand die Douglasie, deren Anteil rund fünf Prozent beträgt und die ihre Äste nicht auf natürlichem Weg verliert. Mit ihnen würde die Stadt bei Versteigerungen Spitzenergebnisse erzielen, hieß es.

Was Leiterastung bedeutet, demonstrierte Forstwirtschaftsmeister Uwe Meißner eindrucksvoll, als er eine Astungsmaßnahme bis zu einer Höhe von zwölf Metern durchführte. Oberbürgermeister Dr. Markus Naser dankte ihm und seiner Familie für exzellente Bewirtung am Nachmittag und zitierte einen begeisterten Freund der jährlichen Waldbegehungen mit den Worten: „Das ist für mich der schönste Tag im Jahr.“


Von Karl-Heinz Gisbertz
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