Zivilcourage – das ist für die Klasse 10f der Neustädter Dietrich-Bonhoeffer-Realschule nicht nur eine Worthülse. Sie beschäftigte sich vielmehr mehrere Wochen lang intensiv mit dem Thema im Rahmen von Rollenspielen und Workshops. Schließlich entstand zudem ein großformatiges Gemälde an exponierter Stelle im Schulzentrum.
Das Kunstwerk im Stil des bekannten Streetart-Künstlers Banksy wurde dieser Tage an einer Wand vor dem Pädagogischen Zentrum (PZ) enthüllt. Wie ihr Vorbild so wollen auch die Zehntklässler aus der Kunstklasse von Michaela Unger-Lobig mit ihrer großformatigen Arbeit eine deutliche Botschaft senden. Das Motiv, für das sich die Schüler der 10 f sowie die Lehrkräfte unter allen Arbeiten der Klasse einstimmig aussprachen, lieferte Maria Fürstenhöfer, berichtete Unger-Lobig in einer kleinen Feier.
Zu sehen sind auf dem Bild drei Affen, die nichts sehen, hören und sagen. „Mit diesen Gebärden wollen sie ausdrücken, dass sie keine Zivilcourage besitzen und buchstäblich wegschauen.“ Ganz anders agiert der vierte Affe, der sich von den anderen positiv abhebt und anders als die anderen farbenfroh gemalt ist. „Zivilcourage bedeutet, den Mut zu haben, sich für Menschenrechte einzusetzen.“ Für die Klasse ging damit einher, sich für die Gemeinschaft verantwortlich zu fühlen und aktiv für diese einzusetzen. Hervorgehoben wurde von der Pädagogin und den anderen Rednern, dass die Jugendlichen während der Arbeit bewiesen, dass sie im Team arbeiten können und sich dort engagieren.
Mut habe es bedurft, ein Bild in solch einer Größe auf die Wand zu bannen. „Die Arbeit zeigt ferner die große Bedeutung des Faches Kunst, in dem viele soziale Kompetenzen quasi nebenbei einbezogen werden.“ Stolz auf das Resultat ist auch Maik Kaiser, Präventionsbeauftragter der Bundespolizei Nürnberg, der mit Rollenspielen, Informationen und Workshops die Klasse 10f für das Thema Zivilcourage sensibilisierte.
Konrektorin Martina Neumeister würdigte das Engagement der 24 jungen Leute. „Ihr habt das super gemacht, ich bin beeindruckt.“ Dank sagte sie dem Förderverein der Realschule, der sich über neue Mitglieder freuen würde, und dessen Vorsitzender Martina Paulini. Der Verein steuerte rund 200 Euro bei, um etwa Farben zu erwerben.
Ein Dankeschön ging zudem an die Adresse des Landratsamtes, das der Wandbemalung an prominenter Stelle zugestimmt hatte. Michaela Unger-Lobig habe wieder einmal das Beste aus den Begabungen der Schüler herausgeholt, resümierte Neumeister. Mit Anerkennung für das Geleistete sparte auch Helen Townson, Leiterin der Bundespolizeiinspektion Nürnberg, nicht. „Das Ganze ist mehr als nur ein kleines Schulprojekt. Es strahlt weit aus.“ Sie bescheinigte der 10f, dass das auf die Beine Gestellte, „eine richtig tolle Sache ist.“ Kunst sei eine Frage des Geschmacks, über den man streiten könne, streiten könne man jedoch nicht über die Leistung.
Die anderen Schülerbilder, die auf der Bühne im PZ zu sehen waren, hätten, so Townson, ebenfalls allesamt eine Aussage. „Für uns als Bundespolizei und für die Gesellschaft sind Sie alle Multiplikatoren. Sie schauen nicht weg. Sie zücken das Handy, um Hilfe zu holen“, unterstrich Townson an die Vielgelobten gewandt. So zu agieren, sei nicht immer leicht, werde man doch angreifbar und könne selbst zum Opfer werden. Als Dankeschön gab es für die Schülerinnen und Schüler eine Urkunde und für die Vertreter der Schule und des Fördervereins eine Tasse der Bundespolizei.
Für Michaela Unger-Lobig hatte Schulleiter Marco Kunkel einen bunten Blumenstrauß mitgebracht. Sie halte die Kunsterziehung an der Schule hoch, sagte er. Das Engagement bescherte der Schule bereits diverse Preise – auch auf Bundesebene.