Mit Lego, Sensoren und einem Computer-Programm sollen Mädchen für Technik begeistert werdenPlötzlich taucht ein Krokodil auf. Sofort springt auf dem Sumpfboot der Alarm an. Die Menschen sind gewarnt. Solche und ähnliche Szenen spielten sich beim Girls Day im Technologie Campus Dinkelsbühl ab. Das Besondere: Ausschließlich Mädchen haben dieses Spiel mit Legoteilen, Sensoren und kleinen Motoren programmiert.
Ziel des Girls Day ist es, Mädchen schon sehr früh für Technikberufe zu begeistern. Anja Balmberger, Gründungsmitglied des Technologie Campus und Kursleiterin, weiß, wovon sie spricht. Sie selbst hat im sogenannten MINT-Bereich studiert, zu dem die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zählen. Sowohl an der Uni, als auch in dem Unternehmen, in dem sie jetzt arbeitet, musste sie feststellen, dass auf diesem Feld der Frauenanteil sehr gering ist.
Das würde Anja Balmberger gerne ändern. Und sie hofft, dass der Girls Day am Technologie Campus Dinkelsbühl dazu beitragen kann.
Hier soll die Barriere möglichst niedrig gehalten werden. „Die Mädels sollen sich angesprochen fühlen, Technikluft zu schnuppern“, sagt die Kursleiterin. Von klein an sollen sie für Technik begeistert werden. Der Kurs mit dem Titel „Lego Education Spike Essential“ sei hier schon mehrfach angeboten worden. Bislang hätten sich aber fast ausschließlich Jungs dafür interessiert.
Beim Girls Day war dies anders. Zehn Mädchen hatten sich für den Kurs in der Gruppe der Acht- bis Zehnjährigen angemeldet. Peter Kluck, der Geschäftsführer des Technologie Campus, betont, dass es hier nicht darum gehe, sich aneinander zu messen und in einen Wettbewerb zu treten, wer der bessere oder der schnellere sei. Wozu Jungs eher neigen würden. Die Mädchen könnten hier die Technik besser entdecken, ohne dass Druck von außen da ist. Und Peter Kluck verweist auf eine weitere Besonderheit: Ausschließlich Frauen leiten die Kurse.
Tatsächlich ging es im Technologie Campus entspannt, aber auch konzentriert zur Sache. Einigen der zwischen acht und zehn Jahre alten Mädchen ging das Programmieren quasi kinderleicht von der Hand. Ein Dialog zwischen zwei Teilnehmerinnen hörte sich so an: „Wir müssen noch das andere Krokodil machen“, sagt Lara. „Ist schwierig“, entgegnet Marlisa, worauf Lara meint: „Nein, so schwer ist es nicht.“
Gesagt, getan. In einer anderen Gruppe konnte man sehen, wie die Mädchen die Farbe für die Warnlampe auf dem Sumpfboot programmierten. Und siehe da: Als der Sensor das grüne Krokodil erkannte, ging der Alarm los.
So konnte beim Girls Day in Dinkelsbühl gewiss die ein oder andere Technikbarriere bei den jungen Teilnehmerinnen beseitigt werden. Anja Balmberger, die selbst zwei Kinder hat, räumt im Gespräch mit der FLZ allerdings ein, dass ihre Tochter lieber mit Puppen und ihr Sohn lieber mit Lego spielt. Beim Girls Day wurden – zumindest für die Mädchen – die Weichen in die andere Richtung gestellt.