Der Vater war Zimmerer, der Großvater ebenso und so wurde Günther Borstner auch Zimmerer. Vor 50 Jahren schloss der Burghaslacher als einer der Jüngsten die Meisterschule in Tübingen ab, machte sich später selbstständig. Eine Diabetes-Erkrankung zwang ihn aber in Frührente – doch Borstner hat auch noch weitere Talente.
Der 75-Jährige blättert am Küchentisch in einem Buch. Darin finden sich Fotos von einzigartigen Momenten, von Besuchen in Zimmereien, von unvergesslichen Abenden, die auch mal bis in die Morgenstunden dauerten. Ein Buch, das die zahlreichen bundesweiten Klassentreffen des Jahrgangs 1972 der Tübinger Meisterschule Kress dokumentiert.
Ein Buch, das Günther Borstner in vergangene Zeiten zurückversetzt. Ein Buch, das auch einen bedeutenden Teil seines Lebens erzählt. Das Motto der Einrichtung: „Die ZiFa Kress macht morgen und heute aus Holzabschneidern Zimmerleute!“
Wenn der Burghaslacher von seiner Zimmerei erzählt, Anekdoten aus seinem Berufsleben, dann spürt man die Passion, mit der er sein Handwerk ausgeübt hat. Einmal Kluft, immer Kluft. 1964 begann Borstner seine Lehre. „Da war das Handwerk noch tatsächliche Handarbeit.“ Kräne für schwere Holzblöcke gab es nicht, stattdessen war Muskelkraft gefragt.
Der Computer hat die Maße für den Dachstuhl noch nicht ausgespuckt, da waren Metermaß, Taschenrechner und eine gesunde Portion Berufserfahrung nötig. Lehrjahre sind eben keine Herrenjahre, wie es so schön heißt. Entsprechend trug Günther Borstner auch unliebsame Erinnerungen an früher davon – die Belastung für Rücken und Knie wirkt nach. Er erzählt von der Entwicklung im Handwerk, vom Einzug der Digitalisierung. Aber früher war trotzdem manches besser, findet Borstner.
Nach mehreren Berufsstationen und durch Kollege Zufall wurde Borstner Unternehmer, leitete eine Zimmerei mit Holzhandel in Weisendorf im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Auch Ehefrau Renate (72) half kräftig mit, erinnert sich an viele Abende, an denen Günther gleich in Weisendorf schlief, so voll waren die Auftragsbücher.
In den 1980er Jahren standen vor allem viele Kirchensanierungen an, der 75-Jährige nennt beispielsweise Burghaslach, Breitenlohe und Markt Taschendorf. Ein durchaus komplexer Auftrag sei auch die Dachkonstruktion für das Burghaslacher Sparkassengebäude gewesen. „Das war alles Handarbeit.“ Und es hält, bis heute ohne Probleme.
2002 dann der Schock: Günther Borstner bekommt die Diagnose Diabetes. „Ich musste aufgeben, wurde berufsunfähig.“ Für den leidenschaftlichen Zimmermeister ein harter Schlag. Er fand in seinem Gartenhäuschen Trost, zimmert noch heute hier und da privat. Natürlich nur kleinere Projekte, soweit er sie eben stemmen kann.
Außerdem liebt Borstner die fränkische Kulinarik. Klammheimlich, sagt er, war Koch eigentlich immer sein Traumberuf. Schäufele mit Kloß und Soß – dafür ist er nicht nur in Familienkreisen berühmt. Aber es hat eben nicht sollen sein.
Außerdem schlägt in ihm mindestens eine soziale Ader. „Ich bin Gründungsmitglied der Johanniter in Burghaslach“, sagt er. Später zogen sie nach Schlüsselfeld ins benachbarte Oberfranken um. Schon früher war er als Sanitäter bei vielen Unfällen auf der A3 im Einsatz, rettete Leben. Die gebürtige Hellmitzheimerin Renate Borstner hat sich ebenfalls bei den Johannitern engagiert – als Schwesternhelferin. „Da haben wir uns kennengelernt.“
Zudem hat Günther Borstner sein Seelenheil bei der Burghaslacher Feuerwehr gefunden. 15 Jahre Vorsitzender im Verein, 45 Jahre aktiv im Dienst. Borstner war schon – gezwungenermaßen – im Feuerwehr-Ruhestand, als es eine Reform gab und er wieder für wenige Jahre zurück in den aktiven Dienst durfte. Glücksgefühle. Noch heute „ist er da, wenn was ist“, sagt Renate Borstner. Zwar nicht mehr bei Einsätzen, aber beim Kinderferienprogramm, wenn der Nachwuchs vorbeischaut, oder beim Weihnachtsmarkt.
Jüngst wurde Günther Borstner mit dem Goldenen Meisterbrief ausgezeichnet. Demnächst erwartet er dann eine weitere freudige Aufgabe: 2024 findet das 30. Treffen des Zimmermeister-Jahrgangs 1972 der Tübinger Meisterschule statt – zum dritten Mal in Burghaslach.
„Wir wollen die Zimmerei Schorr besichtigen“, sagt Borstner. Immerhin ist Herbert Schorr ein ehemaliger Lehrling von ihm. Ansonsten muss das Programm noch Formen annehmen, aber eines ist für den 75-Jährigen gewiss: Fränkische Feinkost darf an besagtem Wochenende natürlich nicht fehlen. Schäufele mit Kloß und Soß – seine Leibspeise.