Wasser ist der Urstoff allen Lebens – ohne Wasser geht nichts. Wir brauchen es zum Trinken, Kochen, Waschen und in der Industrie. Um dieses echte „Lebens”mittel nutzen zu können, bedarf es einiger Mühen und ständiger Kontrolle. Einer, der sich damit bestens auskennt, ist Helmut Rupprecht, Wassermeister bei den NeuStadtWerken.
Er kann die Bürgerinnen und Bürger beim Gespräch mit unserer Redaktion mit Blick auf die unübersehbaren Folgen des Klimawandels beruhigen: „Unser Trinkwasser ist sicher.” Der Wasserverbrauch sei auf einem niedrigen Niveau stabil. Einen Ausreißer stellte das Jahr 2003 dar. „Da war es auch bei uns extrem trocken, ein Hitzesommer schlechthin.” Nicht zu übersehen ist jedoch, dass der Wasserstand des Strahlbachs, der in unmittelbarer Nähe des Wasserhauses durch den Stadtpark fließt, derzeit gering ausfällt. Dies hat auch Folgen für den Bleichweiher, die vom Bach gespeist wird.
Während hier das Nass zu sehen ist, sieht man im Wasserhaus – anders als der Name vermuten lässt – keines, außer wenn Helmut Rupprecht, der zertifizierter und geprüfter Tester ist, Proben entnimmt, was regelmäßig geschieht. Er und Klaus Stöhr, technischer Betriebsleiter der NeuStadtWerke, kennen sich mit dem Thema Wasser bestens aus und können einiges über die Versorgung in Neustadt erzählen. 15 Brunnen und Quellen sind nötig, um den Wasserbedarf zu decken. Das Trinkwasser aus den eigenen Anlagen wird nur für die Stadt und die Ortsteile Unterstrahlbach und Kleinerlbach verwendet.
Die anderen Ortsteile werden, so die Fachleute, die auch auf die Infotafel vor dem Wasserhaus verweisen, mit Nass aus der Fernwasserversorgung Franken versorgt. Ausnahmen bilden Stöckach, Diebach und Oberstrahlbach. Sie verfügen über eine eigene Wasserversorgung. Ein Großteil des aus den Brunnen stammenden Lebenselixiers kann sofort in die beiden Hochbehälter, – je einer steht im Gerichtswald und am Eichelberg – gepumpt werden, erzählt Rupprecht. Ihr jeweiliges Fassungsvermögen beziffern er und Stöhr auf 1500 Kubikmeter. Was aber hat es eigentlich mit den Wasserhäusern auf sich?
Bei jenem in Sachsen wird aus dem Wasser Eisen und Mangan entfernt. Im Stadtpark wird das Grundwasser gefiltert und von bakteriellen Verunreinigungen und Trübungen befreit. Bevor Rupprecht das Brunnenhaus als eine seiner Arbeitsstätten zeigt, geht es nur wenige Schritte weiter, zu einem der unterirdischen Wasserlieferanten, dem Tiefbrunnen 1. „Er ist 38 Meter tief.” Hier liegt die jährliche Wasserförderung bei maximal 25.000 Kubikmetern. Um in die Brunnenstube zu gelangen, öffnet der 56-Jährige die Edelstahlscheibe und klettert über eine Leiter rund 2,5 Meter in die Tiefe. Unter dem Brunnenkopf liegt der eigentliche Brunnen.
Auch hier ist von Wasser nichts zu sehen. Nur die Pumpen sind zu hören. Wieder raus aus dem kleinen, kühlen gefliesten Raum, tut die Wärme gut, bevor es ins Wasserhaus geht, das 1907 erbaut wurde. „In früheren Zeiten war die Wasserversorgung der größte Stromverbraucher in Neustadt”, sagt Rupprecht rückblickend. Inzwischen wurde das Gebäude saniert und mit viel moderner Technik bestückt. Im Inneren ist es kühl, im Sommer wie im Winter. Warme Sachen sind hier nötig. Die hat der Wassermeister vor Ort – für den Fall der Fälle. Unterstützt wird er von zwei Kollegen. „Es geht nur im Team”, sagt er. Denn genug zu tun gibt es immer.
Im blau gestrichenen Gebäude ist es ganz schön laut. Im Erd- und Untergeschoss ist die Technik, im ersten Stock befinden sich ein Büro und kleines Labor. Das Tragen von Gehörschutz ist obligatorisch. Die großen Behälter im Inneren werden von zwei Quellen und vier Brunnen im Stadtpark gespeist, erzählt der Wassermeister beim Rundgang. An den Wänden hängen Infotafeln, auf denen viel zur Aufbereitung, zur Förderung in den Hochbehältern, zur Messtechnik und Ultrafiltration nachzulesen ist. Schulklassen, die regelmäßig kommen, können somit einiges nachlesen.
Besagte Ultrafiltration wirkt übrigens als Druckfilter. Dabei wird Wasser mit Druck durch die Filtermembranen gedrückt. So können Verunreinigungen bis zur Virengröße zurückgehalten werden, erläutert der Wassermeister und zeigt ein Bündel dieser Membranen, die an dünne Spaghetti erinnern.
Um die Reinigungsfähigkeit der Filter aufrechtzuerhalten, müssen sie regelmäßig chemisch gereinigt und desinfiziert werden. Auch dies gehört zum Aufgabenkatalog des gelernten Gas- und Wasserinstallateurs, der noch eine Ausbildung zum Wassermeister absolvierte. Ob die Anlagen funktionieren, wie der Füllstand der Hochbehälter ist, all dies kann der gebürtige Neustädter heutzutage rund um die Uhr mittels Handy überprüfen.
„Er ist mit viel Herzblut dabei”, betont Stöhr. „Man muss das Ganze leben.” Das tut Rupprecht. Die Begeisterung für alles rund ums Wasser ist ihm anzumerken. In seiner Freizeit liest und wandert er gern und ist darüber hinaus noch als Gewässerschutzbeauftragter für die Gemeinde Diespeck tätig. Dabei liegt sein Augenmerk auf dem Abwasser, der Kläranlage. So dreht sich bei ihm alles ums Nass, in welcher Form auch immer.