Das, was die Archäologen da 2022 aus der Erde bei Endsee (Landkreis Ansbach) holten, grenzte an ein Wunder. Ein rechteckiges Gestell, stark verrostet, aber mit erkennbaren feinen Verzierungen: Fischgrätenmuster, Spiralen, einem „fliehenden Hund“. Das alles bereits schön, aber faszinierend war dann auch noch die Datierung: über 1400 Jahre alt.
Die Archäologen hatten den Klappstuhl ausgegraben. Nicht einen aus Holz, wie es die Schoschonen in der Komödie „Der Schuh des Manitu” tun. Sondern einen aus Eisen und Bronze, ein frühmittelalterliches Meisterwerk, gedacht als Grabbeigabe für eine bestattete Frau.
Die Fachwelt jubilierte. Als einen „spektakulären, international beachteten Jahrhundertfund” bezeichnete Mathias Pfeil, Leiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, den Klappstuhl. Nun soll auch die Öffentlichkeit daran teilhaben: Ab sofort ist der Hocker, der einst wohl mit Tierfell bespannt war, in der bayerischen Landesausstellung 2024 in Freising zu bewundern. „Tassilo, Korbinian und der Bär – Bayern im frühen Mittelalter“, so lautet das Motto. Dort darf der Klappstuhl unter anderem neben dem als „Weltkunstwerk” geadelten Tassilo-Liutpirc-Kelch glänzen.
Und er muss sich dabei nicht verstecken: „Das Objekt ist ein Sensationsfund, der erstmals gezeigt wird, es gibt kein Vergleichsobjekt in unserem Raum”, bewertet Dr. Andrea Rüth vom Haus der Bayerischen Geschichte den Stuhl. Was ihn so besonders macht: Dass solche Faltstühle im Frühmittelalter in Gräber gelegt wurden, sei eine „absolute Seltenheit”, heißt es in der Beschreibung. Er könnte als Statussymbol der bestatteten Frau gegolten haben. Auch ein Zusammenhang mit dem frühmittelalterlichen Rechtswesen, vergleichbar mit römischen Amtsstühlen, sei denkbar.
Der Klappstuhl aus Endsee ist noch bis 3. November 2024 im Diözesanmuseum Freising zu sehen. Geöffnet ist die Ausstellung täglich von 9 bis 18 Uhr. Weitere Informationen stellt das Haus der Bayerischen Geschichte bereit.