Revolution beim NEA-Mobil: Ab sofort keine Grenzen mehr im ganzen Landkreis | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 01.04.2025 15:30

Revolution beim NEA-Mobil: Ab sofort keine Grenzen mehr im ganzen Landkreis

Etliche Kreistagsmitglieder sowie Mitarbeitende des Landratsamtes und zwei Angehörige der Betreiberfirma feierten mit Landrat Christian von Dobschütz (Fünfter von links) die NEA-Mobil-Ausweitung. (Foto: Patrick Lauer)
Etliche Kreistagsmitglieder sowie Mitarbeitende des Landratsamtes und zwei Angehörige der Betreiberfirma feierten mit Landrat Christian von Dobschütz (Fünfter von links) die NEA-Mobil-Ausweitung. (Foto: Patrick Lauer)
Etliche Kreistagsmitglieder sowie Mitarbeitende des Landratsamtes und zwei Angehörige der Betreiberfirma feierten mit Landrat Christian von Dobschütz (Fünfter von links) die NEA-Mobil-Ausweitung. (Foto: Patrick Lauer)

„Es geht nicht nur um die Fahrt zum Bahnhof. Das NEA-Mobil kann so viel mehr.“ Unter anderem mit diesen Worten startete Landrat Christian von Dobschütz am Montagabend die neueste Phase des Rufbussystems im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, die in Sachen Mobilität neue Standards setzen soll: das Ende der Bediengebiete.

Bisher und künftig konnten und können die Nutzer dieses Systems über eine entsprechende App oder auch telefonisch das NEA-Mobil zu ihrer Wohnung oder zu einer nahe gelegenen Haltestelle bestellen, und sich zu einem moderaten Preis (VGN-Preis plus Komfortzuschlag) zum gewünschten Fahrtziel transportieren lassen. Die Sache hatte bislang allerdings einen Haken: Das Ziel musste innerhalb jener Bedienzone liegen, in der man zugestiegen war – die Grenze zur nächsten Bedienzone war tabu. Das bedeutete: Eine Fahrt von Dietersheim nach Neustadt oder Gutenstetten war möglich – eine Fahrt von Neustadt nach Uffenheim hingegen nicht.

Der ganze Landkreis ist eine einzige Bedienzone

Seit dem 1. April ist das anders: Ab sofort ist der gesamte Landkreis eine einzige Bedienzone – Nutzer können sich in einer Tour von Uffenheim bis Uehlfeld fahren lassen, oder auch vom südlichsten Ort des Landkreises – Marktbergel – bis in das am nördlichsten gelegene Burghaslach. Auf der Internetseite des Landkreises wird dies so beschrieben: „Nach Buchung Ihres Fahrtwunsches bringt Sie das NEA-Mobil innerhalb des Landkreises zu Ihrem gewünschten Zielort.“

Buchen lassen sich die Fahrten über eine App, die man im App Store oder über Google Play herunterladen kann, oder auch telefonisch über 09161/6229966. „75 Prozent der Fahrten werden über die App gebucht“, sagte Christian von Dobschütz dazu am Montagabend – nur noch 25 Prozent über das Telefon. Trotzdem: Die Telefonbuchung soll nach wie vor möglich sein und bleiben. Die App will man weiter optimieren und vereinfachen. „Wir wollen das System perfektionieren.“ Dazu hat man auch die Zahl der Fahrzeuge noch einmal aufgestockt: Sechs waren es bisher, aktuell sind es zehn. „Je nach Entwicklung und im Bedarfsfall können wir auch hier noch einmal nachbessern.“

Intensive Bewerbung in den nächsten Wochen

Rund 51.500 Fahrgäste wurden seit August 2021 registriert – 90 Prozent der Nutzer „haben uns eine Fünf-Sterne-Bewertung gegeben“, betonte der Landrat. Jetzt gelte es, die neuen Möglichkeiten noch umfangreicher zu bewerben: „Wir sind schon in einer intensiven Marketingphase“, so von Dobschütz – unter anderem werde noch im April eine Gratisfahrt zum Ausprobieren angeboten.

Kreisrat Stefan Schuster lobte am Montagabend die „immer top gepflegten Fahrzeuge, die Pünktlichkeit, die höflichen Fahrer“. Langenfelds Bürgermeister Reinhard Streng erinnerte daran, dass das NEA-Mobil immer häufiger auch von Schülern nach dem Nachmittagsunterricht genutzt werde („Dadurch können sich die Eltern die Hol-Tour sparen.“) und der ehemalige Landtagsabgeordnete Hans Herold bat darum, auch die Preisgestaltung vermehrt in den Fokus zu rücken („Viele wissen gar nicht, dass sie das Deutschland-Ticket auch fürs NEA-Mobil nutzen können.“).

Flexibles Angebot braucht weniger Sprit

Einig waren sich die Anwesenden, dass der jährliche Zuschuss des Landkreises von rund 1,4 Millionen Euro eine sinnvolle Investition in die Mobilitätszukunft sei – etwas,was man im übrigen auch in der bayerischen Landesregierung so sehe. So berichtete Armin Reuter, beim Landkreis zuständig für den ÖPNV, von einem Besuch im Wirtschaftsministerium: „Dort sind On-demand-Verkehre das Thema schlechthin“, berichtete er – das NEA Mobil sei Vorbild für viele andere Kreise. „Wir haben uns von den statischen Buslinien verabschiedet und sind jetzt einfach deutlich flexibler – auch für die kleinen Orte.“

Hinzu komme, so Reuter, der ökologische Aspekt: Ein normaler Linienbus verbrauche rund 35 Liter auf 100 Kilometer, und sei bei regulären Fahrten oftmals fast leer oder nur mit drei oder vier Personen besetzt. Ein NEA-Mobil-Kleinbus benötige weniger als ein Viertel des Sprits und fahre nur dann, wenn er gebraucht wird. Für Reuter ist das Fazit klar: „Die Zukunft gehört den flexiblen Angeboten.“

Fährt das NEA-Mobil bald auch in andere Landkreise?

Den Rentner, der nicht mehr Auto fahren will oder kann, ins Krankenhaus oder zum Arzt bringen, Kinder zum Fußballtraining, eine Frauengruppe zum Pilates-Kurs oder ins Café – die Nutzungsmöglichkeiten sind vielfältig und „jeder Euro, den wir da investieren, ist gut angelegtes Geld“, sagte Christian von Dobschütz.

Darüber hinaus deutete der Landrat an, dass die eigens eingerichtete Arbeitsgruppe Mobilität sich noch längst nicht auf den bisherigen Lorbeeren ausruhen wolle – weitere Ideen würden bereits andiskutiert. Das reiche vom NEA-Mobil-Verkehr über Landkreisgrenzen hinweg sowie einer möglichen Ausweitung der Buchungszeiten bis hin zur „letzten Meile“, für die auch auf dem Land eventuell Leihfahrräder oder E-Scooter irgendwann ein Thema werden könnten. Denkverbote jedenfalls werde es nicht geben, getreu der Agenda des Landrats: „Wir wollen ein Landkreis sein, in dem es sich gut leben lässt.“ Auch und gerade in Sachen Mobilität.

NEA-Mobil

Preise und Buchung

Das NEA-Mobil kann man für Fahrten zwischen zwei Haltestellen buchen. Es lassen sich für das NEA-Mobil sowohl die bestehenden ÖPNV-Haltestellen wie auch die eigens eingerichteten NEA-Mobil-Haltestellen nutzen. Möglich ist jedoch auch, Start- oder Zieladresse frei zu wählen (Haustürbedienung).

Die Preise orientieren sich auch im neuen System weiterhin am VGN-Tarif und liegen – je nach Fahrtstrecke – demnach zwischen 2,15 Euro für den Erwachsenen (1,07 Euro für Kinder) bei der Zone 1 bis hin zu 14,49 Euro pro Erwachsener bei der Zone 10. Hinzu kommt jeweils der Komfortzuschlag in gleicher (Erwachsenen-)Höhe, wobei dieser beim Preis für die Zone 7 gedeckelt ist.

Das bedeutet: Für eine lange Fahrt – z.B. von Uehlfeld nach Uffenheim – fallen laut VGN-Tarif 14,49 Euro (Stufe 10) an, aber der Komfortzuschlag endet bei 10,20 Euro (Stufe 7). Wer im Besitz eines Deutschland- oder auch eines 365-Euro-Tickets ist, zahlt keinen regulären Fahrpreis für das NEA-Mobil, sondern nur den Komfortzuschlag – fährt also von Uffenheim nach Uehlfeld für 10,20 Euro.

Weiterhin gilt für alle Buchungen (wochentags von 7 bis 18 Uhr, samstags 10 bis 24 Uhr): Das NEA-Mobil fährt den Nutzer dann, wenn es am entsprechenden Ort innerhalb einer Stunde keine andere Fahrmöglichkeit (z.B. Bus) mit öffentlichen Verkehrsmitteln gibt.

Gebucht werden können Fahrten bis zu 72 Stunden im Voraus.


    Patrick Lauer
    Patrick Lauer
    Redakteur
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