Rothenburg in Flammen: Film von Realschülern mit Zeitzeugen auf dem Campus | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 03.04.2025 19:00

Rothenburg in Flammen: Film von Realschülern mit Zeitzeugen auf dem Campus

Viele Menschen schauten sich den Film „Ein Tag, der zur Nacht wurde – Rothenburg in Flammen“ an. Das Bild zeigt eine Szene mit einer historischen Aufnahme von der zerstörten Stadt. Bei dem Jugendlichen im Vordergrund handelt es sich um Jan Heinig, der 2015 als Schüler an der Filmproduktion mitgewirkt hatte. (Foto: Margit Schwandt)
Viele Menschen schauten sich den Film „Ein Tag, der zur Nacht wurde – Rothenburg in Flammen“ an. Das Bild zeigt eine Szene mit einer historischen Aufnahme von der zerstörten Stadt. Bei dem Jugendlichen im Vordergrund handelt es sich um Jan Heinig, der 2015 als Schüler an der Filmproduktion mitgewirkt hatte. (Foto: Margit Schwandt)
Viele Menschen schauten sich den Film „Ein Tag, der zur Nacht wurde – Rothenburg in Flammen“ an. Das Bild zeigt eine Szene mit einer historischen Aufnahme von der zerstörten Stadt. Bei dem Jugendlichen im Vordergrund handelt es sich um Jan Heinig, der 2015 als Schüler an der Filmproduktion mitgewirkt hatte. (Foto: Margit Schwandt)

Aus Anlass des 80. Jahrestages der Bombardierung der Stadt wurde auf dem Campus der Dokumentarfilm „Ein Tag, der zur Nacht wurde – Rothenburg in Flammen“ – gezeigt. Die Filmgruppe der Oskar-von-Miller-Realschule hatte die persönlichen Erlebnisse von Zeitzeugen in Ton und Bild festgehalten.

Der Film wurde 2015 fertiggestellt, 70 Jahre nach der Zerstörung großer Teile der historischen Altstadt beim Luftangriff durch amerikanische Bomber am Karsamstag 1945. „Die ganze Straße war sofort dunkle Nacht“, so eine Zeitzeugin; alle seien in Richtung Burggarten gerannt. Einer hatte drei Hüte auf, warum auch immer. Der Burggarten galt als sicher.

Tiere irrten durch die Gassen

Gertrud Schubart befand sich im unteren Teil der Stadt und berichtete aus ihren Erinnerungen: „Ziegel flogen vom Dach, eine Gruppe Menschen flüchtete durch das Brauhausgässchen in Richtung Kobolzeller Steige vorbei an einem Bunker, der brechend voll war“, erzählte sie vor der Kamera. Die Leute hätten während des Luftangriffs unter Bäumen Schutz gesucht.

Tiere seien durch die Gassen geirrt. Sie habe eine Kuh eingefangen und zum „Greifen“ gebracht, so ihre Schilderung. Etliche Tiere „waren von Brandbomben getroffen worden, die sich in deren Rücken fraßen. Die Tiere brüllten vor Schmerz, bevor sie qualvoll verendeten. Die Brände in der Stadt entwickelten sich zum Feuersturm, die Stadt verfinsterte sich.“

Viele Menschen waren nach dem Bombenangriff obdachlos geworden, liefen in den Gassen der unteren Vorstadt hin und her. Etliche wurden von Verwandten und Bekannten in nicht zerstörten Häusern aufgenommen, andere kamen auf dem Land unter. Ursula Langenbuch war nach Adelshofen mitgenommen worden. Als sie sich auf dem Weg dorthin umdrehte, sah sie das brennende Rothenburg.

Ihre Freundinnen waren obdachlos

Das Bild hat sie nicht mehr losgelassen. „Hell und klar“ sei die Sonne aufgegangen. Doch über Rothenburg habe dichter Rauch gelegen, „und ein beißender Geruch zog durch die Stadt“, erzählte sie. „Es war ein furchtbar trauriger Anblick, die Menschen waren zutiefst erschüttert.“ Mathilde Schmidt kam am Ostersonntag nach Rothenburg zurück, ging durch das Spitaltor hinein. Zunächst schien alles wie immer, doch je näher sie dem Marktplatz kam, desto schlimmer und furchtbarer wurde es. Die halbe Stadt, so ihre Erinnerung, war nicht mehr da, die Stollengasse zerstört, ihre Freundinnen obdachlos.

Viele der Sprengbomben wurden über dem Taubertal abgeworfen. Eine davon landete am Hang im Bereich der Riviera. Ein großer Trichter tat sich auf. Dieser wurde wieder aufgefüllt. Jetzt befindet sich dort ein lauschiges Plätzchen mit Sitzbänken.

Manche wollen nicht mehr erinnert werden

Zum Filmabend hatten sich sehr viele Menschen im Campus eingefunden, die meisten von ihnen kannten den Film noch nicht. Thomas Hufnagel sammelte Fragen und Eindrücke, brachte die Menschen ins Gespräch. Er selbst hat am Film mitgewirkt, daraufhin habe man auch zu Hause über die Vergangenheit gesprochen. Hätte er die Arbeit am Film nicht gemacht, hätte er viele Dinge von seiner eigenen Familie nicht erfahren, erklärte er. Doch nicht jeder sei bereit gewesen, über die schrecklichen Erlebnisse zu sprechen. Manche Zeitzeugen wollten einfach nicht mehr an die Geschehnisse erinnert werden.

Eine ältere Frau habe gegenüber der Filmgruppe gesagt: „Euch habe ich meine Geschichte erzählt, meiner Familie aber noch nicht.“ Hufnagel betonte: „Das Filmteam hat immer versucht, nicht mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, keine Schuldzuweisungen vorzunehmen.“ Die Aufgabe der Filmgruppe um Thilo Pohle mit den Gestalterinnen Andrea Knäulein und Kerstin Schmidt sei es, zu dokumentieren und die Geschehnisse für nachfolgende Generationen zu bewahren.


Von Margit Schwandt
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