Ungewöhnliches Team sorgt für 380.000 neue Bäume in der Region | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 09.05.2023 17:35

Ungewöhnliches Team sorgt für 380.000 neue Bäume in der Region

Stefan Klingner, Geschäftsführer der TreePlantingProjects (links), und Martin Brunner, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Westmittelfranken, setzen sich für die gezielte Anpflanzung klimatoleranter Baumarten ein. (Foto: Yvonne Neckermann)
Stefan Klingner, Geschäftsführer der TreePlantingProjects (links), und Martin Brunner, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Westmittelfranken, setzen sich für die gezielte Anpflanzung klimatoleranter Baumarten ein. (Foto: Yvonne Neckermann)
Stefan Klingner, Geschäftsführer der TreePlantingProjects (links), und Martin Brunner, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Westmittelfranken, setzen sich für die gezielte Anpflanzung klimatoleranter Baumarten ein. (Foto: Yvonne Neckermann)

Beim Kampf gegen das Waldsterben ziehen „TreePlantingProjects“ und die Forstbetriebsgemeinschaft Westmittelfranken an einem Strang.

Es ist ein ungewöhnliches Bündnis: In der einen Organisation sind viele junge Umweltaktivisten. Die andere tragen auch Waldbauern mit eher konservativer Einstellung mit. Beide Vereinigungen haben regional ihre Zentrale im Landkreis Ansbach. Der studierte Förster Martin Brunner ist Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Westmittelfranken (FBG), die rund 2900 Mitglieder hat. Sein Büro ist in Wörnitz. Stefan Klingner, der Geschäftsführer von „TreePlantingProjects“ (TPP), koordiniert die Baumpflanzaktionen von „400 bis 500 Freiwilligen“, so seine Schätzung auf FLZ-Anfrage, von Dietenhofen aus.

Nun zogen beide gemeinsam Bilanz: Die Gemeinnützige Unternehmergesellschaft TPP hat demnach 2022 bis Anfang 2023 im Gebiet der FBG im westlichen Kreis Ansbach und im südöstlichen Kreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim rund 80.000 Bäume gepflanzt.

„Uns fehlten die Arbeitskapazitäten“

Brunner zeigte sich über diese Hilfe für die FBG sehr dankbar: „Uns fehlten die Arbeitskapazitäten, die großen Kahlfächen im Privatwald rasch wieder aufzuforsten.“ Doch mit Hilfe der Pflanzeinsätze Freiwilliger der TPP sei dies nun gelungen. Dabei pflanzte auch die FBG beziehungsweise deren Mitglieder rund 300.000 Bäume – 170.000 davon setzten die Mitglieder mit eigenen Händen in den Waldboden ein, und 130.000 pflanzte die FBG „in Dienstleistung für die Mitglieder“.

Wie kommt es, dass mit der FBG und TPP Leute aus so unterschiedlichen gesellschaftlichen Milieus im Wald zusammenkommen? „Die sind auf uns zugegangen“, meinte Brunner zu TPP. Daraufhin sei in der Mitgliederzeitschrift der Forstbetriebsgemeinschaft Westmittelfranken für die Zusammenarbeit geworben worden – mit Erfolg. Laut Brunner gibt es in der FBG einen Generationswechsel. „Die Johann, Heinrich und Fritz werden älter und werden von der Generation Kevin, Sven und Luisa abgelöst.“

Der Schwerpunkt liegt im Großraum Ansbach

TPP hat nach Auskunft von Stefan Klingner rund 20 Mitarbeiter. In Dietenhofen sei die Zentrale für ganz Bayern. „Hier hat alles angefangen“, betonte er. Der Schwerpunkt der Pflanzaktionen liege im Umkreis von rund 75 Kilometern um Ansbach.

Die Freiwilligen kämen überwiegend aus Betrieben zur Entwicklung von Internetplattformen, und über eine Internetplattform sei auch TPP aufgebaut worden. „Die Forstbetriebsgemeinschaft ist eine ganz tolle Einrichtung“, sagte er. Seine Freiwilligen seien überwiegend junge Leute aus der Informatik: „Unser Ziel ist, möglichst viele Ökosysteme wieder herzustellen und stabil zu erhalten. Und dabei arbeiten wir unter anderem mit der FBG zusammen und nutzen deren Fähigkeiten.“

Stark geschädigte Monokulturen

Zur Kooperation gehört gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit. Brunner und Klingner trafen sich deshalb zu einem Fototermin in unmittelbarer Nachbarschaft des Landkreises Ansbach: in einem Wald bei Marktbergel im Kreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Dort sticht eines sofort ins Auge: Fichten, und nur Fichten, so weit das Auge reicht. Und dies ist, trotz des seit Jahren propagierten klimaresistenten Waldumbaus, kein Einzelfall. Fichten- und Kiefernmonokulturen prägen häufig noch den Wald in der Region – „und sind vielerorts bereits stark geschädigt“, wie die beiden Experten feststellen.

Deshalb müssten schneller als bisher klimaresistente Bäume in die heimischen Wälder eingebracht werden. Sonst drohten durch die steigenden Durchschnittstemperaturen und häufige Dürreperioden mit zunehmender Geschwindigkeit weitere Waldschäden.

„Dies kann zu langen Freiflächenstadien führen, die wiederum die Erwärmung lokal begünstigen“, betonten beide, und: „Es ist also dringend geboten, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.“

Komplettpaket zum Selbstkostenpreis

Die Forstbetriebsgemeinschaft Westmittelfranken und die TreePlantingProjects, so eine Pressemitteilung, bieten Waldbesitzern die Wiederaufforstung als Komplettpaket zum Selbstkostenpreis an. Übernommen werden die Kommunikation mit den zuständigen Behörden, die Beantragung der notwendigen Fördermittel, der Zaunbau, die Pflanzung und die anschließende Pflege.

Die beiden Experten griffen eine aktuelle Diskussion auf: Sind die Saat oder die Förderung spontaner Naturverjüngung – also quasi der natürlichen Fortpflanzung von Bäumen – nicht bessere Wege als Pflanzaktionen? Zwar bringe das Einbringen klimaresistenter Baumarten durch Saat den Vorteil ungestörter Wurzelentwicklung, aber die Erfolgsquote sei nicht optimal, lautet eine Antwort. „Hier sind wir noch stärker von natürlichen Gegebenheiten abhängig als bei der Pflanzung“, sagen beide.

Wildverbiss bremst den Umbau

Und bei der Naturverjüngung ist das Problem, dass sich in Fichten- und Kiefernmonokulturen fast nur Fichten und Kiefern vermehren, jedoch fast keine klimaresistenten Laubbäume. „Nur hier und da wandert einmal eine andere Spezies von außen ein“, so Brunner.

Wenn es ein solcher Laubbaum schafft, sich ohne menschliche Hilfe durchzusetzen, wird er oft von Rehen gefressen, die für eine Buche oder Eiche die Nadelbäume links liegen lassen. Eine aufgeforstete Fläche könne außerdem mit einem Zaun vor Wildverbiss geschützt werden, einzelne Bäumchen nicht.

Im Moment optimale Bedingungen im Forst

Über die Naturverjüngung, so Brunner, würde es 400 bis 500 Jahre dauern, bis sich in der Region wieder ein klimaresistenter Wald entwickelt hat. Brunner verkündete aber auch eine positive Nachricht: „Im Moment ist durch die kühlfeuchte Witterung heile Welt im Wald.“

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