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Veröffentlicht am 17.04.2026 12:36

Wenn Krisen aufs Familienklima drücken – was jetzt hilft

Umgang mit Krisen: Eltern sollten unterscheiden, welche Infos ihr Kind verstehen kann - und welche eher Ängste auslösen. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)
Umgang mit Krisen: Eltern sollten unterscheiden, welche Infos ihr Kind verstehen kann - und welche eher Ängste auslösen. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)
Umgang mit Krisen: Eltern sollten unterscheiden, welche Infos ihr Kind verstehen kann - und welche eher Ängste auslösen. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)

Kriege und Krisen in der Welt, steigende Preise und Unsicherheit im Alltag: Viele Eltern sind gerade überlastet, beobachtet die Erziehungs- und Familienberaterin Kira Liebmann. Das wirkt sich auch auf die gesamte Familie aus. Stress senke das Einfühlungsvermögen, Streit sei vorprogrammiert. „Und damit holen wir die Krise auch in die Familien“, so Liebmann.

Für Kinder sei aber weniger die Nachrichtenlage an sich belastend als die Anspannung, die Erwachsene mit nach Hause bringen. „Für Kinder ist der Tankstellenpreis egal. Für Kinder zählt, was dieser Tankstellenpreis mit den Eltern macht“, so Liebmann.

Sie rät Eltern, die eigenen Ängste und Sorgen nicht bei den Kindern zu platzieren, sondern in Gesprächen mit Partner, Freunden oder anderen Erwachsenen. Kinder könnten die Themen oft noch nicht einordnen und reagieren schnell überfordert, weil sie vor allem spüren, dass es den Eltern nicht gut geht.

Im Alltag kann da ein kurzer Übergang helfen, bevor man als Elternteil wieder nach Hause zu den Kindern kommt: gute Musik hören, Naturgeräusche wahrnehmen und so das eigene Nervensystem runterregulieren. 

Kinder entlasten: altersgerecht und sachlich bleiben

Wie viel Kinder über Krisen und mögliche Geldsorgen der Eltern wissen müssen, hänge ohnehin stark vom Alter ab. Bei jüngeren Kindern sei weniger Erklärung oft mehr: Bis zur Grundschule müsse man etwa finanzielle Zusammenhänge nicht detailliert ausbreiten. 

Stattdessen rät Liebmann die eigene Stimmung gegenüber den Kindern einzuordnen: „Ich bin gerade leichter gestresst. Das hat aber mit dir nichts zu tun.“ 

Mit zunehmendem Alter dürfen Infos konkreter werden: In der Grundschule könne man sachlich erklären, dass Dinge teurer werden. Ab der Pubertät verstehen Jugendliche Zusammenhänge besser. Entscheidend ist, nicht in Katastrophensprache zu rutschen: „Bitte nicht ins Drama fallen, sondern eher sachlich erklären“, so die Gründerin der Akademie für Familiencoaching im bayerischen Maisach.

Wenn die Urlaubspläne wackeln: Klartext - mit Perspektivwechsel

Viele Kinder bekommen finanzielle Sorgen oder die Auswirkungen der Weltlage zum Beispiel beim Thema Urlaub mit. Sind Reisen oder Ausflüge angesichts der steigenden Preise überhaupt bezahlbar? Liebmann rät zu Klartext: Eltern können ihr zufolge die Situation klar erklären und etwa sagen: „Wir wissen nicht, ob im Sommer noch Flüge gehen“ oder: „Wir wissen nicht, ob wir das Geld haben werden.“

Dann sollte man aber die Perspektive wechseln, nach dem Motto: „Das ist die Ausgangslage. Und wie machen wir daraus etwas Schönes?“ Statt langer Problemspiralen helfe es, Alternativen zu planen und Kinder einzubeziehen: Fahrten an den See, Tagesausflüge, kleine Highlights – und die Frage: „Was würdet ihr euch denn wünschen?“.

Auch soziale Vergleiche („Die fliegen aber noch … “) lassen sich auffangen: Wichtig sei, Scham zu nehmen und Zugehörigkeit zu betonen. Botschaften wie „Wir können das nicht beeinflussen“ und „trotzdem geht es uns gut, weil wir uns lieb haben“ stärkten Kinder, ohne die Lage zu beschönigen.

Leichtigkeit ist Teil der Krisenstrategie

Nicht zuletzt sollten Eltern auch auf ihre eigene mentale Gesundheit achten. Liebmann empfiehlt „Informationshygiene“, etwa den eigenen Nachrichtenkonsum bewusst einzuschränken: „Abends das Handy weglegen und nicht die schlechten Nachrichten mit ins Bett nehmen“, sagt die Beraterin.

Hilfreich sei es zudem, bewusst darauf zu achten, was guttut. „Wichtig ist, sich jetzt aktiv Lebensfreude einzuladen“, sagt Liebmann. Zentrale Frage: Welche Menschen und Tätigkeiten tun mir gut, wer oder was raubt mir Energie? 

Denn bei all der Schwere gehe im Familienalltag oft etwas Entscheidendes verloren: Freude. Sie sei kein Luxus, sondern stabilisierend. „Es darf gelacht werden, auch wenn wir Krisen haben“, betont Liebmann. Eltern müssten sich in Krisenzeiten bewusst dafür entscheiden, auch schöne Momente zu haben – um die Balance zwischen Schwere und Leichtigkeit zu halten.

© dpa-infocom, dpa:260417-930-957780/1


Von dpa
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