Ansbacher Dekanatssynode in Weidenbach: „Die Zeit der Volkskirche ist vorbei” | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 03.03.2026 14:24

Ansbacher Dekanatssynode in Weidenbach: „Die Zeit der Volkskirche ist vorbei”

Dekan Dr. Matthias Büttner erläuterte auf der Dekanatssynode die Forderung der Landeskirche nach Mindestgrößen von Gemeinden. (Foto: Martin Stumpf)
Dekan Dr. Matthias Büttner erläuterte auf der Dekanatssynode die Forderung der Landeskirche nach Mindestgrößen von Gemeinden. (Foto: Martin Stumpf)
Dekan Dr. Matthias Büttner erläuterte auf der Dekanatssynode die Forderung der Landeskirche nach Mindestgrößen von Gemeinden. (Foto: Martin Stumpf)

Die Frühjahrssynode des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Ansbach hat sich mit den vielen Veränderungen beschäftigt, die die Landeskirche sich und ihren Gemeinden auferlegt hat. Der Hauptvortrag beschäftigte sich mit einem der größten Umbrüche.

Nach einer Andacht in der Pfarrkirche St. Georg wechselten die 79 Vertreter aus den Kirchengemeinden ins Bürgerhaus. Präsidiumsmitglied Karin Schlötterer begrüßte die Versammlung und Dekan Dr. Matthias Büttner stellte seinen Bericht vor. Er stehe der Forderung der Landeskirche nach Gemeinden mit 8500 Seelen selbst skeptisch gegenüber, sagte er. Er verwies auf die dagegen gerichtete Petition an die Landessynode, die auch im Raum auslag.

Zentralisierung verspricht höhere Erträge

Die neue Gebäudeplanung, nach der nur noch etwa die Hälfte der Gebäude künftig von der Landeskirche unterhalten wird, sei in vollem Gang. Vielversprechend sei die neue, zentrale Rücklagenverwaltung der Gemeinden, meinte der Dekan. Durch die größeren Einlagen als Folge der Zentralisierung seien höhere Erträge zu erwarten. Nahezu alle Pfarrstellen sind besetzt, nur Burk und neuerdings die Friedenskirche sind vakant. Nach seinem Eindruck würden derzeit zu viele Dinge zu schnell geändert und es gebe zu wenig Fokus, erklärte Büttner.

Zur möglicherweise größten Veränderung für die Ortsgemeinden, den „regiolokalen Kirchen“ mit bis zu 8500 Mitgliedern, sprach Dr. Michael Herbst. Der im Ruhestand befindliche Professor für praktische Theologie ist ursprünglich westfälischer Pfarrer und lehrte in Greifswald. Im Ruhestand arbeitet er am „Institut zur Erforschung von Mission und Kirche (imk)“.

Er begann mit einer Beschreibung der Lewis-und-Clark-Expedition. Diese suchte ab 1804 einen schiffbaren Wasserweg durch die Vereinigten Staaten zum Pazifik. Die Rocky Mountains stellten die Gruppe vor schier unüberwindliche Schwierigkeiten. Da sei klar geworden: „Was uns bisher geholfen hat, wird uns nicht mehr helfen.“ Das münzte auf die Situation der Kirche um.

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Pro Jahr 350.000 Mitglieder weniger

Der Mitgliederverlust der Evangelischen Kirche in Deutschland in der Größenordnung von 350.000 Personen pro Jahr sei ein steter Abbruch, kein Abbröckeln. Das Abgleiten in eine Minderheit verglich er mit der Diaspora-Situation der ersten Christen. Ein Zurück gebe es nicht, die Zeit der Volkskirche sei endgültig vorbei. Damit verbunden sei auch das Ende der kulturellen Dominanz des Christentums. „Man muss in der Kneipe begründen, warum man noch in der Kirche ist, und nicht mehr, warum man ausgetreten ist.“

„Glaube in der Minderheit braucht Bestätigung durch andere.“ Die größte Gefahr sei der Verlust von Nähe. Daher seien Gemeinschaft, Gebet, Stille, Anbetung wichtiger denn je. Die kirchlichen Formen dürften auf den Prüfstand. „Die Treue gilt nicht den Strukturen, sondern dem Auftrag.“ Die von Pfarrern dominierten Gemeinden seien passé. Laiengetragene Formen, freie Werke und Gemeinschaften, Basisgruppen und diakonische Träger seien aufgerufen, eine „kooperative Region“ zu bilden. Aber auch diese Anpassung sei nur ein Zwischenschritt.

Am Ende dankte Präsidiumsmitglied Anita Nölp der Kirchengemeinde Weidenbach und sprach ein Gebet sowie den Segen.


Von MARTIN STUMPF
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