Eins statt drei: Seit dem 1. Januar besteht das evangelische Dekanat „An Sulzach und Wörnitz”, in dem die bisherigen Dekanate Dinkelsbühl, Feuchtwangen und Wassertrüdingen vereinigt sind. An der Spitze steht Uta Lehner als Dekanin. Eine Aufgabe, die ihr trotz aller Herausforderungen „viel Freude” bereitet, wie sie sagt.
Ganz neu ist der Posten für Uta Lehner nicht: Denn bereits mit dem 1. Januar 2025 wurde die Leitungsstruktur der drei Dekanate zusammengeführt und sie war die „Chefin”. Als nächster Schritt erfolgte nun zu Jahresbeginn die Errichtung einer Körperschaft des öffentlichen Rechts.
Seinen Sitz hat das neue Dekanat, zu dem etwa 32.000 Gläubige in 18 Pfarreien mit 47 Kirchengemeinden gehören, in Dinkelsbühl. Es gibt künftig nur noch eine Dekanatssynode und einen Dekanatsausschuss, die Entscheidungen für den gesamten Bereich treffen.
Uta Lehner, die zuvor mit ihrem Mann Wigbert als Doppelspitze das Dekanat Feuchtwangen führte, wurde zum 1. Januar die vierte Pfarrstelle in Dinkelsbühl mit Dekansfunktion übertragen. Wie Uta Lehner im Gespräch mit der FLZ erklärt, ist der vierten Pfarrstelle kein Gemeindesprengel mehr zugeordnet. Der Leitungsanteil liegt bei 84 Prozent, die darüber hinausgehenden Stellenanteile werden übergemeindlich im gesamten Dekanat – zum Beispiel mit Gottesdiensten – erbracht. Letzteres ist durchaus im Sinn der Dekanin. Denn es ist ihr ein Anliegen, „Kontakt zu den Menschen zu bekommen” und „vor Ort ansprechbar zu sein”.
Die Gründung des neuen großen Dekanats war die Reaktion „auf Druck von außen”, erinnert Uta Lehner. 2022/2023 sei klar gewesen, dass es seitens der Landeskirche eine Rahmensetzung von Größen für Dekanate von mindestens 30.000 bis 35.000 Gläubigen geben werde, um von der Kleinteiligkeit wegzukommen und größere Strukturen zu schaffen. „Das war der Punkt, zu sagen, lasst es uns angehen.” Zumal der Ruhestand der damaligen Dekane Hermann Rummel (Wassertrüdingen) und Uland Spahlinger (Dinkelsbühl) nahte.
Die folgenden Gespräche seien auf Augenhöhe geführt worden, betont Lehner. Niemand, vor allem nicht das im Vergleich kleinste Dekanat Wassertrüdingen, sollte sich abgehängt fühlen. Das steht auch weiterhin im Fokus: „Alle sollen sich aufgehoben fühlen”, hebt Karl Neuberger hervor. Er ist neben Roswitha Fingerhut (Altdekanat Dinkelsbühl) und Rainer Schülein (Altdekanat Wassertrüdingen) Präside der Dekanatssynode für das Altdekanat Feuchtwangen.
Für die einzelnen Kirchengemeinden ändert sich aus Sicht von Uta Lehner im neuen großen Dekanat wenig. Wichtig sei und bliebe die Beziehung der Gemeindemitglieder zu den Geistlichen vor Ort. Das sei das Wesentliche. Ihre Aufgabe liege verstärkt in der strategischen Leitung, in der Verwaltung und Vernetzung, so die Dekanin.
Um die Struktur des neuen Dekanats zukunftsfähig aufzustellen, gehört es, etwa einen Haushaltsplan „zu stricken”, der auch allen Besonderheiten der drei Altdekanate gerecht werde, sowie ein öffentliches Auftreten als Einheit. Zudem sei wichtig, einander wahrzunehmen und sich kennenzulernen, was für Haupt- wie Ehrenamtliche gleichermaßen gelte. Es gehe darum, sich zu öffnen, über den Tellerrand hinauszublicken, zu schauen, wo Zusammenarbeit sinnvoll sei und Synergieeffekte entstehen könnten. Da müsse Angst genommen, Mut gemacht und Zuversicht vermittelt werden, meint Neuberger.
Zu den Herausforderungen durch das Zusammenwachsen im neuen Dekanat kommen laut Uta Lehner die landeskirchlichen Entwicklungen. So wird das hauptamtliche Personal weniger – Stichwort „Fachkräftemangel”. Gerade eingestiegen wurde in die „nicht einfache” Gebäudebarfsplanung: 50 Prozent des Gebäudebestands im Dekanat müssen transformiert werden, was bedeutet, dass diese Gebäude aus der Bezuschussung der Landeskirche genommen werden. Das Spektrum der Möglichkeiten sei groß, sagt Lehner. Denkbar wären beispielweise Kooperationen mit Vereinen und Kommunen, um den Unterhalt zu sichern.
Die Vereinigung der drei Dekanate Dinkelsbühl, Feuchtwangen und Wassertrüdingen „ist nicht das Ende”. Da macht Uta Lehner keinen Hehl daraus: „Es wird noch größer werden.” Die Gründung sei auch nur unter dem Vorbehalt genehmigt worden, dass die nächsten Schritte gegangen werden. Mit der nächsten Neugründung rechnet die Geistliche im Laufe der nächsten fünf Jahre. Um ein ständiges Wandeln zu verhindern und eine zukünftige Einheit zu bilden, brauche es über 100.000 Gläubige. Daher laufe es vermutlich auf eine landkreisweite Lösung hinaus, um auf der sicheren Seite zu sein, erklärt Uta Lehner. Dann könne sich auch wieder ganz darauf konzentriert werden, Gottes Botschaft weiterzugeben.
Gefeiert wird die Gründung des Dekanats „An Sulzach und Wörnitz” am Sonntag, 12. Juli, mit einem Gottesdienst – Regionalbischöfin Gisela Bornowski hat ihr Kommen bereits zugesagt – in Wittelshofen. Warum Wittelshofen? Weil dort die beiden namensgebenden Flüsse zusammenfließen.