Bekannte Kabarettistin auf „Abschiedstour“ in Lichtenau | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 18.05.2025 19:00

Bekannte Kabarettistin auf „Abschiedstour“ in Lichtenau

Christine Prayon gastierte in der Alten Turnhalle in Lichtenau und sprach vom Wahnsinn der Welt. (Foto: Martina Kramer)
Christine Prayon gastierte in der Alten Turnhalle in Lichtenau und sprach vom Wahnsinn der Welt. (Foto: Martina Kramer)
Christine Prayon gastierte in der Alten Turnhalle in Lichtenau und sprach vom Wahnsinn der Welt. (Foto: Martina Kramer)

Die Veranstaltung am Freitagabend in der Alten Turnhalle stand ganz im Zeichen des Abschieds. Das Kabarett mit Christine Prayon war der letzte Kleinkunstabend, den die Kulturburg Lichtenau präsentierte. Bezeichnenderweise hieß auch das Programm der Prayon „Abschiedstour“.

Nicht wenig Wehmut schwang also mit an diesem Abend mit der bekannten Kabarettistin, die man auch als Birte Schneider aus der Nachrichtensatire heute-show kennt. Von dieser hatte sich Christine Prayon allerdings nach elfjähriger Teilnahme im September 2022 verabschiedet. Sie habe es gestört, dass bei diesem Format permanent „Stimmung gegen Andersdenkende“ gemacht werde, indem man sich über sie lustig mache.

Dies spricht sie offen auch an dem Kabarettabend in Lichtenau an. Ebenso wie ihre gesundheitlichen Schwierigkeiten, die im Zusammenhang mit Corona stehen. Prayon leidet am Post-Vac-Syndrom, das sie nach einer Impfung entwickelte, und war zeitweise nicht in der Lage aufzutreten. Es sei schwierig, über dieses Thema zu reden, da es ungemein aufgeladen sei, erklärt sie. Äußere man sich kritisch zu Fragen nach der Pandemie, so werde man leicht in die Ecke der Corona-Leugner und Impfgegner gerückt. Dort sehe sie sich aber nicht.

Schnell wird einem ein Label aufgedrückt

Was sie dagegen schon sehe, sei die zunehmende Schwierigkeit, sich mit kontroversen Themen sachlich auseinanderzusetzen. Schnell werde einem da ein Label aufgedrückt, das aber komplexe Vorgänge auf wenige Schlagworte reduziere.

Die Gesundheit allein ist es nicht, die Prayon dazu bewogen hat, das Kabarett ad acta zu legen. Die Welt sei derart aus den Fugen geraten, dass sie selbst einem hyperventilierenden Kabarett gleiche. Das mache eigentlich ihre Arbeit überflüssig. Wozu noch den Wahnsinn kommentieren?

Das Problem, das Christine Prayon in ihrem Programm anspricht und anschaulich macht, ist tatsächlich akut. In Sketchen versucht sie, die Absurdität der heutigen Gemengelage sichtbar zu machen. Sie schlüpft in unterschiedliche Rollen, spielt Moderatorin und Interviewpartner, zeigt sich als geübte Poetry-Slammerin und Nachrichtensprecherin, die auch die absurdesten Neuigkeiten emotionslos verkündet. Und sie macht Pausen, manchmal fast unerträglich lang. Schaut in das Publikum, verfällt in sprachlose Starre oder deutet schon mal den Abgang von der Bühne an.

Neues Programm mit dem Titel „Comeback”?

Prayons Programm ist abwechslungsreich, spannend, mitunter provozierend, manchmal ein wenig planlos, so will es zumindest scheinen – und im Grunde so gar nicht witzig. Gelacht wird kaum an diesem Abend, auch wenn die Kabarettistin am Anfang mit roter Clownsnase die Bühne betritt. Die wahren Clowns jedoch, man ahnt es dunkel, sitzen an anderer Stelle. Und sie sind auch nicht nur komisch, geschweige denn harmlos, sondern eher wie der Joker aus den Batman-Filmen: heimtückisch, gerissen, bösartig.

Die rote Knollennase als listiges Ablenkungsmanöver? Ja, als Kabarettistin kann man sich solcher Mittel bedienen, um die Schwere ein wenig abzumildern. Ob es tatsächlich Christine Prayons letztes Kabarett-Wort gewesen ist, sei allerdings dahingestellt. Man munkelt, sie arbeite doch an einem neuen Programm, diesmal mit dem Titel „Comeback“.


Von Martina Kramer
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