Ansbacher Kammerspiele: Michael Altinger serviert die „letzte Tasse Testosteron” | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 08.11.2025 14:00

Ansbacher Kammerspiele: Michael Altinger serviert die „letzte Tasse Testosteron”

Da stand sie also, „Die letzte Tasse Testosteron“, um die sich der ganze Abend in den Kammerspielen drehte. Männlichkeit, überzogene oder gekränkte und vieles mehr, hatte sich Kabarettist Michael Altinger auf die Liste gesetzt. Zusammen mit dem Gitarristen Andi Rother wurde daraus ein turbulent witziger, aber auch nachdenklicher Abend.

Und tatsächlich, die Tasse stand, wie ein Mahnmal, auf einem Tisch am Rand der Bühne. Das Testosteron, ein offenbar magisches und gleichermaßen überlebensnotwendiges Gesöff, allerdings mit Haltbarkeitsdatum, exakt bis 22 Uhr an diesem Abend. Sonst drohe eine Katastrophe. Er selbst habe als letzter verbliebener Altinger-Spross vom Vater die Aufgabe bekommen. „Suche die Tasse, finde deine Bestimmung“, sonst drohe die Enterbung.

Blick zurück in die Familienhistorie

Ein Blick zurück in die Familienhistorie, zu Hartmut, dem Haarigen, zum einzigen Seefahrer Christopher Altinger, Hildegard von Altinger oder auch dem Wikinger-Vorfahren Altingerson, gab dubios anmutende Familieneinblicke. Galileo Altinger habe die Welt zu einer Kugel geformt, so seine Bestimmung gefunden. Die Quelle, das „Große Buch von Strunzenöd“, aus dem der Kabarettist zu mittelalterlichen Flötenklängen tänzelnd rezitierte. Im althergebrachten Sprachduktus ein großer Spaß.

Die Frage, die über allem schwebte: „Wann ist ein Mann ein Mann?“ Der Blick in die Menschheits- und Männlichkeits-Geschichte wurde zu einem turbulenten Ritt, dem Altinger mit Gestik und Mimik ein Krönchen aufsetzte. Er mimte einen reitenden Cowboy mit Ledermantel-Optik, der sich die Welt und auch Bayern unterwerfen und wieder „great“ machen wollte. Ressourcen gingen zu Ende, Aufteilungskämpfe liefen parallel oder auch die Demokratie verliere rasant an Boden. Ähnlichkeiten mit lebenden Vorbildern durchaus angedacht.

So sein? Niemals, dann lieber ein „linksgrün versiffter Best-Ager“, mit größten Chancen auf weiblichen Zuspruch. Überschätzung, auch so ein Ego-Problem. Als Vorbilder taugten die meisten dieser Beispiele, darunter Typen wie Trump, Söder oder Musk, eh nicht. „It’s a long way to find your Bestimmung“, resümierte er.

Wie also besser machen? Ritterliche Tugenden, wie Edelmut, Dichtung und Minnegesang, da konnte Altinger-Junior durchaus mithalten, Wahrheitsliebe, Mitgefühl und Empathie, seien gefragt, auch Mut und Anstand. Anstand sei es, in München auf eine Demo gegen Nazis zu gehen, dasselbe in Erfurt zu tun, da gehöre allerdings Mut dazu. Oft wäre er so gerne mutig, traue sich aber nicht.

Starke Songs und rockiger Groove

Mit starken Songs und rockigem Groove unterbrach und erweiterte das Duo die zum Teil schon recht absurd anmutenden Gedankenlinien und Geschichten. Großartig! Als kongenialer Bühnenpartner erwies sich dabei Gitarrist Andi Rother, der mit Einwürfen oder auch als vokales Effektgerät punkten konnte.

Ein Abend, der das Publikum und die Lachmuskeln kräftig in Schwingungen versetzte, spitzzüngig Leichtigkeit in einen krisengebeutelten Alltag streute, aber durchaus auch politisch Nachdenkliches anstieß.

Haben die letzte Tasse Testosteron in die Ansbacher Kammerspiele mitgebracht: der Kabarettist Michael Altinger (rechts) und Andi Rother an der Gitarre. (Foto: Elke Walter)
Haben die letzte Tasse Testosteron in die Ansbacher Kammerspiele mitgebracht: der Kabarettist Michael Altinger (rechts) und Andi Rother an der Gitarre. (Foto: Elke Walter)
Haben die letzte Tasse Testosteron in die Ansbacher Kammerspiele mitgebracht: der Kabarettist Michael Altinger (rechts) und Andi Rother an der Gitarre. (Foto: Elke Walter)

Von ELKE WALTER
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