Am Bahnhofsplatz starb bei den Luftangriffen im Februar 1945 fast die gesamte Familie Krodel. Die Mutter Sophie Krodel kam mit ihren sechs Töchtern in einem Keller der zerstörten Post ums Leben.
Wir haben in unserer Serie „80 Jahre danach“ ausführlich über die Familie berichtet, die sich bei den Angriffen in einen Luftschutzraum im Postgebäude geflüchtet hatte. In dem Keller überlebte niemand, die Druckwelle der Bomben zerriss die Lungen der Menschen. Sophie Krodel war 41 Jahre alt, als sie starb, Gertrud Krodel war 16, Annemarie Krodel 14, Erna Krodel elf, Inge Krodel zehn und Liselott Krodel acht Jahre alt. Das jüngste Kind, Christa Krodel, wäre am 3. März 1945 ein Jahr alt geworden.
Nur der Vater Hugo Krodel, ein Postbeamter, überlebte; er war in einem Nebenraum gewesen, in einer Art Schleuse vor dem Luftschutzkeller, und wurde nur leicht verletzt.
Günter Krodel, ein Verwandter von Sophie Krodel, hatte der Fränkischen Landeszeitung vom Schicksal der Familie erzählt. Nun meldete sich auch Birgit Gruber, ebenfalls eine Verwandte von Sophie Krodel. Sie hat in einem alten Fotoalbum ein Bild ihrer Großtante mit fünf Kindern gefunden und der FLZ zur Verfügung gestellt: um den Opfern von einst ein Gesicht zu geben.
Die Aufnahme entstand wohl ein paar Jahre vor 1945, denn die abgebildeten Kinder sind noch recht jung. Auf der Fotografie tragen die Mutter und ihre Töchter historisch anmutende Kostüme und Perücken, vermutlich für eine Theateraufführung oder ein Festspiel.
„Sophies Vater hatte einen Friseursalon mit Maskengarderobe am Karlsplatz“, weiß Birgit Gruber. „In Ansbach gab es ab 1932 Aufführungen zum Einzug Friedrichs des Großen an den Hof seiner Schwester. Ich vermute, dass Sophie Krodel und ihre Kinder dabei mitgemacht haben. Das war natürlich ein Anlass, sich im Kostüm fotografieren zu lassen.“
Eine Leserin, die anonym bleiben möchte, hat die Geschichte ihres Großvaters aufgeschrieben, die vielleicht mit dem schlimmen Schicksal der Familie Krodel vor 80 Jahren verknüpft ist. „Bauern aus dem Umland mussten damals bei den Aufräumarbeiten am Bahnhof helfen“, erzählt die Leserin. „Mein Opa zog unter den Trümmern auch ein kleines totes Mädchen mit Zöpfen, ähnlich wie seine eigene Tochter, heraus. Ob es eine Tochter der Familie Krodel war, ist natürlich nicht bekannt. Die Aufräumaktionen waren sehr schrecklich für ihn wie der gesamte Krieg, bei dem er alle seine Brüder verlor.“