Ein Zentraldepot für wertvolle Exponate in Bad Windsheim | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 08.03.2025 12:00

Ein Zentraldepot für wertvolle Exponate in Bad Windsheim

Das neue Depot füllt sich nach und nach. Professor Dr. Konrad Bedal, Gerhard Bund, Joachim Schlicke, Gisela Menke, Hannelore Bedal, Margit Berr und Bernhard Kisch (von links) haben damit gut zu tun. (Foto: Anna Franck)
Das neue Depot füllt sich nach und nach. Professor Dr. Konrad Bedal, Gerhard Bund, Joachim Schlicke, Gisela Menke, Hannelore Bedal, Margit Berr und Bernhard Kisch (von links) haben damit gut zu tun. (Foto: Anna Franck)
Das neue Depot füllt sich nach und nach. Professor Dr. Konrad Bedal, Gerhard Bund, Joachim Schlicke, Gisela Menke, Hannelore Bedal, Margit Berr und Bernhard Kisch (von links) haben damit gut zu tun. (Foto: Anna Franck)

Tassen und Kannen stehen neben Zinn-Krügen, Säbel bilden einen Haufen. Auch Körbe, Pfeifen und Fahnen sind zu finden. Das Depot des Historischen Vereins Bad Windsheim strotzt voller Schätze. Seit einigen Monaten schon werden sie umgezogen – in ein neues Domizil am Weinmarkt.

Seit dem Spätsommer des vergangenen Jahres sind die Vereinsmitglieder mit dem Umzug der Exponate in ein neues Zentraldepot beschäftigt. Teils lagerten diese bislang im Reichsstadtmuseum im Ochsenhof, teils in zwei Räumen im Stadtarchiv am Klosterplatz. Letztere müssen einerseits wegen der geplanten Sanierung des Gebäudes seitens der Stadt Bad Windsheim aufgegeben werden. Diese steht, wie Vereinsvorsitzender und CSU-Stadtrat Bernhard Kisch erklärt, nach dem Jahr 2027 an. „Wir haben also noch etwas Zeit.“ Andererseits sei die Unterbringung der Objekte im alten Depot aufgrund der dortigen Gegebenheiten ohnehin nicht mehr ideal.

Die Geschichte der Stadt im Fokus

Über die Jahre kamen immer wieder neue Stücke dazu. Manche Exponate sind zwar bedeutend, können aber derzeit in der Ausstellung im Reichsstadtmuseum nicht gezeigt werden und werden deshalb im Depot aufbewahrt, erklärt Kisch. Die Nachlässe sind umfangreich. Die verschiedensten Utensilien finden sich unter ihnen: Möbel, Glas, Porzellan, Zinn, Tonwaren, Metallgegenstände, Stoffe, Körbe, Papierwaren oder auch Bilder aus längst vergangenen Zeiten gehören dazu.

„Unser Sammlungsgut umfasst alles, was einen Bezug zu Bad Windsheim hat. Unsere Exponate wurden hier hergestellt oder von Menschen genutzt. Zu allem gibt es eine Geschichte. Das ist unser Schwerpunkt. Die Stadtgeschichte bis hin zur neueren Zeit“, erklärt Kisch, der den Vorsitz des Vereins seit etwa drei Jahren inne hat. Ein solcher Schwerpunkt ist zwingend nötig. „Sonst könnte man ja alles sammeln“, erklärt Kisch, der appelliert: „Bevor man etwas wegschmeißt – gerade Bilder –, kann man das erstmal uns geben oder anbieten. Dann sichten wir das.“

Kürzlich habe man beispielsweise den ersten Plan des Fränkischen Freilandmuseums von 1978/79 erhalten. Die Exponate sind aus verschiedenen Jahrhunderten. Eines der Bücher stammt beispielsweise aus dem 17. Jahrhundert. „Die Sammlung ist zwischen den beiden Weltkriegen entstanden. Das meiste kommt aus dieser Zeit“, erklärt der Historiker Professor Dr. Konrad Bedal, ehemaliger Leiter des Fränkischen Freilandmuseums. Eine genaue Auswertung hat nicht stattgefunden. Das lasse sich im Ehrenamt auch kaum leisten. „Wir können die Stücke nur sichern“, sagt Bernhard Kisch.

Verzeichnis ist nicht mehr leistbar

Vor gut 40 Jahren wurde das Museum in das jetzige Gebäude in der Seegasse verlegt. Damals war noch eine hauptamtliche Arbeitskraft beschäftigt gewesen, diese habe damals ein Inventarverzeichnis geführt. Kisch bescheinigt dieser Person „vorbildliche Arbeit“. Manche Gegenstände sind deshalb mit einer Nummer versehen und in dem Verzeichnis samt weiterführender Informationen auffindbar. Später, als diese Arbeitskraft wegfiel, war das nicht mehr leistbar. „Wir können nur einen Zettel zu dem jeweiligen Stück dazulegen“, sagt Bernhard Kisch.

Konrad Bedal schätzt, dass der Fundus in manchen Bereichen auch überregional von Bedeutung ist, beispielsweise bei den Pfeifen. „Wenn man da reinlangt, kommt man nicht weiter, weil es so viele interessante Stücke sind.“ Alles, was man aufhebe, könnte irgendwann mal jemandem dienen, der in dem Bereich forschen will, sagt Bernhard Kisch.

Der Umzug ist zeitaufwendig. Zahlreiche Vereinsmitglieder sichten die Gegenstände nicht nur, sondern reinigen sie auch – darunter neben Kisch und Bedal auch Joachim Schlicke, Gerhard Bund, Hannelore Bedal, Gisela Menke und Margit Berr. Meist kommen sie mittwochs zusammen, um zu werkeln. Das Durchforsten des Depots gleicht einer Schatzsuche. „Ständig findet man etwas Neues. Auch Kuriositäten“, sagt Hobby-Archäologe Bund mit Blick auf ein Exponat, das er als „eiszeitlichen Nashornzahn“ identifiziert. „Da liegt leider kein Zettel dabei.“

Experten stehen mit Rat zur Seite

Manche Stücke sind von Schimmel befallen, „weil die Lagerbedingungen nicht immer optimal waren“, so Kisch. Froh sei man, dass so viele Fachleute Mitglied im Verein sind, die mit Rat und Tat zur Seite stehen. Dazu zählt neben Konrad Bedal natürlich auch Stadtarchivarin Stella Bartels-Wu.

Neue, geeignete Räumlichkeiten, wurden nach längerer Suche am Weinmarkt gefunden. Die Stadt mietet sie an. Das Depot ist etwa doppelt so groß wie das bisherige, so Kisch. Mit der Einrichtung hat sich vor allem Joachim Schlicke beschäftigt. Mit einem Team baute er Regale ein, bereitete alles vor, um dann beim Umzug gewappnet zu sein. Auch eine Reinigungsecke wurde hier eingerichtet.

Auch frühere Vereins-Aktive hatten schon die Idee, das Thema „Depotumzug“ anzugehen. „Jedes Museum braucht ein vernünftiges Depot“, findet Kisch. Deshalb sei man froh, nun alles ordentlich zu sortieren. Im Zentraldepot werden die Stücke inventarisiert. „Bei Stücken, zu denen keinerlei Informationen vorliegen, wird es schwierig.“ Die Exponate sollen in beschrifteten Kisten gelagert werden, um langes Suchen künftig zu vermeiden.

Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit werden kontrolliert

Grundsätzlich werden alle Exponate mit umgezogen, sagt Bernhard Kisch. Bei Stücken, die beispielsweise von Schimmel befallen sind oder an denen der Holzwurm genagt hat, wird noch vor dem Umzug mit Experten entschieden, was mit ihnen passiert. Utensilien, die in mehrfacher Ausfertigung vorhanden sind – beispielsweise Porzellantassen oder Zinnkrüge – werden im neuen Depot vor der Einlagerung betrachtet. Dann wird geklärt: Wie bedeutend ist das Stück? Was hat einen besonderen Bezug zu Bad Windsheim? Von welchen Exponaten trennt man sich vielleicht doch?

Mit Messgeräten werden momentan die Raumtemperatur und die Luftfeuchtigkeit über einen längeren Zeitraum kontrolliert. „Wir haben hier ganz verschiedene Materialien“, erklärt Schlicke. „Da müssen wir einen Mittelweg finden.“

Auch Fördermittel hat der Verein für die Umsetzung des Umzuges erhalten – durch die Städtebauförderung, aber auch von der Lokalen Aktionsgruppe Aischgrund. Weitere seien beantragt.

Noch ist das neue Depot recht leer, doch die Mitglieder sind sich sicher: Das wird schon voll. Eine Deadline gibt es für den Umzug nicht. Schlicke schätzt aber, dass man noch etwa ein Jahr damit beschäftigt sein wird.


Anna Franck
Anna Franck
Redakteurin im Online-Team
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