Die Initiative Mission Bahnstation hatte zu einem Treffen in der Bahnhofstraße in Wilburgstetten eingeladen. Im Begegnungszentrum kamen Engagierte aus fünf verschiedenen Orten der Region zusammen. Was sie verbinde, sei das gemeinsame Ziel einer reaktivierten Bahnstrecke und eines attraktiven öffentlichen Verkehrs in der Fläche.
Vertreten waren in Wilburgstetten engagierte Bürgerinnen und Bürger, Bahnexperten, Mitglieder des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), des Bund Naturschutz sowie Vertreterinnen und Vertreter aus der Kommunalpolitik. Im Mittelpunkt standen der aktuelle Sachstand der Planungen und die Vorbereitung einer Sonderzugfahrt, die per Crowdfunding finanziert werden soll.
Die Reaktivierung der Südabschnitte der Hesselbergbahn und der Romantischen Schiene bis nach Nördlingen wird von einer großen Mehrheit unterstützt, so Mission Bahnstation in der Pressemitteilung. Die geplante Zug-Aktion im Mai 2026 und das vorherige Crowdfunding würden dies verdeutlichen. Während dieser Sonderzugfahrt soll ein attraktives Programm mit Verpflegung, Kinderprogramm und politischen Wortmeldungen angeboten werden.
Mit dieser Veranstaltung wollen die Intitiatoren aufzeigen, wie groß die Dunkelziffer ist – „also wie viele Menschen wirklich hinter der Bahn-Initiative stehen“, betonte Klimaaktivist Lino Krüger aus Nördlingen. Heino Seeger von der Mittelfränkischen Eisenbahnbetriebsgesellschaft (MEBG) mahnt in der Pressemitteilung, bei allen Wünschen realistisch zu bleiben. Eine Reaktivierung des Nordabschnitts der Strecke von Dombühl nach Wilburgstetten zum Fahrplanwechsel im Dezember 2029 sei ein ambitioniertes, aber erreichbares Ziel.
Rückendeckung bekam die Initiative aus dem Wilburgstettner Rathaus: Bürgermeister Michael Sommer machte deutlich, dass die Kommune bereit sei, ihren Beitrag zu leisten, wenn die Bahn reaktiviert wird. Geplant sind Park-&-Ride-Plätze, Fahrradabstellanlagen und Bushaltestellen direkt am Bahnsteig, heißt es in der Mitteilung. Das Ziel sei ein vernetzter öffentlicher Verkehr, der für Pendlerinnen und Pendler, Schülerinnen und Schüler sowie den Freizeitverkehr gleichermaßen attraktiv sei.
Dass es bei der Reaktivierung nicht nur um Gleise, sondern auch um soziale Teilhabe geht, machte laut Presseerklärung Simon Kubillus von Mission Bahnstation deutlich. Gerade Jugendliche seien auf einen gut erreichbaren Bahnanschluss angewiesen. Durch eine Reaktivierung werde für viele junge Menschen vor Ort „die Nutzbarkeit des Deutschlandtickets überhaupt erst möglich“. Das sei ein wichtiges Signal für eine „generationengerechte Verkehrspolitik”.
Enttäuscht zeigt sich die Initiative von dem Hindernis, dass der Südabschnitt von Wilburgstetten nach Nördlingen vorerst nicht reaktiviert werden kann. Die Strecke ist am sogenannten 1000-Personenkilometer-Kriterium gescheitert – einer rechnerischen Hürde, die die Fahrgastprognoseerwartung bewerten soll, wie in der Mitteilung erläutert wird.
Dieses Vorgehen wird darin scharf kritisiert und als positives Gegenbeispiel die Reaktivierung der Strecke zwischen Gotteszell und Viechtach genannt: Dort sei die Bahnverbindung trotz zunächst unzureichender Prognosen wieder in Betrieb genommen worden.
Auch Peter Knoch vom VCD-Regionalverbund Nürnberg, Kreisgruppe Ansbach, ordnete das Kriterium ein: In anderen Bundesländern gebe es keine so strengen Vorgaben wie die 1000-Personenkilometer-Grenze pro Kilometerstrecke wie in Bayern. Die Botschaft der Initiative: „Wenn der politische Wille da ist, darf ein einziges Rechenkriterium nicht über die Zukunft einer ganzen Region entscheiden.”
Die Rednerinnen und Redner unterstrichen, dass jetzt der Zeitpunkt sei, nicht nur für die Reaktivierung bis Wilburgstetten zu werben, sondern für eine vollständige Durchbindung der Strecke bis Nördlingen. Ein Endbahnhof in Wilburgstetten berge die Gefahr, dass das Potenzial der Linie verschenkt werde.
Mut macht den Aktivistinnen und Aktivisten auch der Blick auf andere Projekte in der Region. Die Hesselbergbahn zwischen Gunzenhausen und Wassertrüdingen habe gezeigt, dass sich eine Reaktivierung lohnen könne, so der Wassertrüdinger Bürgermeister-Kandidat Jörg Edelmann. Dort sei das ursprüngliche Ziel bei der Nachfrage nach der Reaktivierung sogar um das Dreifache übertroffen worden.