Die Gemeinde Langenfeld hat anderen Kommunen viel voraus. Mit knapp über tausend Einwohnern hält sie eine ambulant betreute Wohngemeinschaft, Tagespflege, barrierefreie Wohnungen, einen Dorfladen und ein Gasthaus vor. Arzt und Physiotherapie siedelten sich an, ebenso eine Eisdiele. Das wollten andere sehen.
23 Personen aus ganz Bayern kamen deshalb dorthin, wo die Neu-Entwicklung Langenfelds ihren Anfang nahm: ins Mehrgenerationenhaus Dorflinde. Dieses hatte sich verschiedene Leitsätze gegeben, darunter auch, dass es den Bürgern ermöglicht werden soll, möglichst immer gut in Langenfeld zu leben. Und lange zu Hause.
Von der Wiege bis zur Bahre wollte man Einrichtungen schaffen. Das hat laut Bürgermeister Reinhard Streng im Jahr 2005 professionell begonnen: Die vom bayerischen Ministerium für Gesundheit und Pflege beauftragte „Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung“, kurz AfA, hatte damals ein Jahr lang den Prozess in Langenfeld moderiert und für kleine Gemeinden ein Altenhilfekonzept entwickelt.
Pro Regierungsbezirk war damals ein Konzept entstanden; in Oberbayern waren es zwei. Die Koordinationsstelle „Pflege und Wohnen“ vernetzt diese Gemeinden heute und war am Mittwoch in Langenfeld mit Referentin Brigitte Herkert zu Gast.
Zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zählten Bürgermeister, Seniorenbeauftragte, Quartiersmanager, Regionalplaner, Mitarbeitende von Landratsämtern, Kommunen und Wohlfahrtsverbänden und auch Genossenschaften. Wichtige Ansprechpartnerin war auch Veronika Schmer, Vorsitzende des Angehörigengremiums der ambulant betreuten Wohngemeinschaft in Langenfeld. Derzeit leben zwölf Personen dort.
Wie die Gäste erfuhren, läuft ohne ein Angehörigengremium in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft in Langenfeld nichts. Es wählt unter anderem den Pflegedienst aus – derzeit Pflegemobil Scheinfeld – der rund um die Uhr im Haus ist.
Jeder in der Wohngemeinschaft arbeitet nach persönlichen Fähigkeiten im Haushalt mit. Manch einer braucht länger zum Kartoffelschälen, der fängt dann eben früher an. Und wenn jemand nur die Wäsche gerne sortieren will, geht das auch. Andere am Tisch, die das nicht mehr können, schauen zu. Insgesamt laufe der Betrieb reibungslos, so Pflegedienstleiterin Heidi Maar. Betreut werden die Bewohner von zehn Personen, davon zwei ausgebildeten Fachkräften. Demenzerkrankte Personen können ebenfalls aufgenommen werden.
In der Tagespflege leben ebenfalls zwölf Menschen. Ziel in beiden Einrichtungen sei eine möglichst selbstbestimmte und selbstständige Lebensführung.
Laut Streng arbeite man in Langenfeld daran, dass die Menschen möglichst lange zu Hause leben können. Wichtiges Element dazu sei der Dorfladen. Kurze Versorgungswege sind ein weiterer Baustein, der auch Älteren ohne Auto möglich gemacht werden soll. Doch im Einkaufen erschöpft sich Langenfelds Angebot bei Weitem nicht: Viele Ehrenamtliche, Demenzhelfer, Pflegehelfer und hauswirtschaftliche Kräfte habe man seitens der Dorflinde ausgebildet. Diese enthalten auch eine Aufwandsentschädigung.
Begeistert zeigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Bayern über das „ausgezeichnete Essen“, so Streng. An Werktagen werden 70 bis 100 Portionen ausgeliefert. Der Koch der Dorflinde bereitet diese zu. Und fasziniert waren sie nach den Worten des Bürgermeisters von vielen Dingen, die Langenfeld zusätzlich habe – nicht zuletzt die neue Dorfeisdiele.
Zwar habe man in vielen Detailfragen den Gästen Wissen und Erfahrungen vermittelt, jedoch erhielt auch der Bürgermeister einige Impulse. Darunter war die Information, dass in den Regierungsbezirken bestimmte Dinge verschieden eingestuft werden. In diesem Zusammenhang bezeichnete er Langenfeld als eine „preiswürdige ambulante Wohngemeinschaft“.
Der nächste Ausflug, den die Koordinationsstelle im Juli organisierte, führt nach Niederwinkling in Niederbayern. Diese Gemeinde sei finanziell besser ausgestattet als Langenfeld, bemerkte Streng.