Demenz-Screening in Langenfeld: Ein Test wie einst in Mathe | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 29.06.2024 14:00

Demenz-Screening in Langenfeld: Ein Test wie einst in Mathe

Petra Dlugosch befragt eine Testperson in Langenfeld. Sprachliche und rechnerische Fähigkeiten, räumliches Vorstellungsvermögen und das Kurzzeitgedächtnis wurden auf den Prüfstand gestellt. (Foto: Anita Dlugoß)
Petra Dlugosch befragt eine Testperson in Langenfeld. Sprachliche und rechnerische Fähigkeiten, räumliches Vorstellungsvermögen und das Kurzzeitgedächtnis wurden auf den Prüfstand gestellt. (Foto: Anita Dlugoß)
Petra Dlugosch befragt eine Testperson in Langenfeld. Sprachliche und rechnerische Fähigkeiten, räumliches Vorstellungsvermögen und das Kurzzeitgedächtnis wurden auf den Prüfstand gestellt. (Foto: Anita Dlugoß)

Wann ist es Gedächtnisschwäche und wann ist es Demenz? Dieser Frage ging jetzt das Team vom Mehrgenerationenhaus Dorflinde in Langenfeld im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim nach. Am Wochenanfang gab es ein Referat zum Thema, am Freitag schlug dann die Stunde der Wahrheit: der Test, in der Fachsprache Demenz-Screening genannt.

Zu Demenz fällt den meisten Menschen salopp Vergesslichkeit ein. Das trifft es schon fast. Am Besten sieht man sich dazu das Wort an: „de mens“ ist lateinisch für „weg vom Geist“. Bei einer Demenz sind die geistigen Fähigkeiten so vermindert, dass das tägliche Leben erschwert ist. So nennt sich das Screening „Projekt für Menschen mit Gedächtnisbeeinträchtigungen“.

Es gibt verschiedene Arten von Demenz. „Die Alzheimer-Krankheit ist die am meisten verbreitete Demenz“, sagte Dorflinde-Koordinatorin Christine Halbrichter. Sie hatte die Fachleute der Organisation „DigiDem“ (das steht für digitales Demenzregister Bayern) nach Langenfeld gebracht, einer vom bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege geförderten Organisation. Petra Dlugosch, einst Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses Kitzingen und damit Halbrichter wohlbekannt, nahm zusammen mit einer Kollegin in zwei verschiedenen Räumen die beiden Tests vor.

Mini-Mental-Status-Test folgt auf Auffälligkeiten

Es sind zwei international übliche Befragungen, die die beiden Frauen machen – auch beim Neurologen kommen diese auf den Tisch: Der Montreal-Cognitive-Assesment (MoCA; eine Einschätzung der kognitiven Fähigkeiten), das ist der einfache Test. Abgecheckt werden dabei hauptsächlich Sprache, Problemlösefähigkeit, Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Planungsfähigkeit und Wahrnehmungsfähigkeit. Gibt es dabei Auffälligkeiten, folgt der Mini-Mental-Status-Test (MMST) – die Aufnahme der betroffenen Person in einer Studie ist möglich.

Dabei werden Dinge auf den Prüfstand gestellt, die in der Schule klar unter die Fächer Deutsch und Mathematik einzuordnen wären: „Zählen Sie ab der Zahl 35 in 7er-Schritten zurück“ war eine Aufgabe. „Benennen Sie dieses Ding“ – es wird ein Bleistift gezeigt. „Sprechen Sie folgenden Satz nach“ oder „welches Datum haben wir heute?“

Es wird auch gefragt, wie drei Begriffe vom Anfang des Gesprächs lauten. Nennen sie viele Wörter mit „F“. Von den Antworten zeigte sich Dlugosch bisweilen amüsiert. So habe jemand auf die Frage, in welchem Bundesland er lebe, felsenfest „Franken“ gesagt. Immer wieder ist das Alphabet wichtig – und auch die klare Benennung der Uhrzeiten. Auch Befehle zu befolgen zählt übrigens zum Test. „Nehmen Sie das Blatt und lassen es auf den Boden fallen“. Das mutet gesunden Menschen merkwürdig an, aber Demenzkranke bringen so etwas oft nicht mehr fertig.

Gehirntraining als Vorsorge

„Demenz lässt sich nicht verhindern“, weiß Halbrichter. Dennoch gibt es Dinge, die sie begünstigen. „Demenz wird verstärkt, wenn das Gehirn nicht trainiert wird. Da werden dann keine neuen Zellen gebildet.“ Laut Halbrichter gibt es nichts gegen Demenz. „Körper und Geist fit halten, lebenslanges Lernen“, seien gute Stichworte.

Demenz kann viele Ursachen haben, etwa Alkoholkonsum, Organerkrankungen und falsche Medikamente. Doch die Forschung ist noch nicht zu Ende. So habe man Demenz lange auf die Ablagerungen auf den Synapsen (Verbindungen) im Gehirn zurückgeführt. Jedoch habe es auch völlig gesunde Probanden mit Ablagerungen gegeben.

24 Personen aus dem Landkreis hatten das Referat von Petra Dlugosch am Montag gehört und ebensoviele – teils andere – unterzogen sich am Freitag dem Screening. Manche kamen zu zweit, weil sie wissen wollten, ob der Partner betroffen ist – und kehrten strahlend aus ihrem Befragungsraum heraus, weil der MoCa-Test unauffällig war.

Wäre er auffällig gewesen, dann wäre eine tiefere Befragung erfolgt und der Pflegebedarf in der Studie für das Gesundheitsministerium ermittelt worden.

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