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Veröffentlicht am 20.11.2023 17:15

Proteste in Ansbach: Gewerkschaften fordern 10,5 Prozent

„Pfui“-Rufe, Pfeifengetriller und Ratschen-Radau erklangen am Montag in der Ansbacher Innenstadt. Der Beamtenbund dbb sowie die Fachgewerkschaft der Straßen- und Verkehrsbeschäftigten (VDStra) demonstrierten für eine Erhöhung der Entgelte um 10,5 Prozent. Alle betroffenen Beschäftigten waren zu einem Warnstreik aufgerufen.

Eine Welle an Warnwesten in orange, grün, blau oder auch der magentafarbenen des dbb zog am Montag die Blicke von Passanten und Autofahrern auf sich. Ein Demozug von 180 Menschen setzte sich den Angaben der Ansbacher Polizei zufolge an der Hofwiese in Bewegung.

Rainer Nachtigall, Vorsitzender des Bayerischen Beamten-Bundes, war „sehr zufrieden“ mit der Veranstaltung. Er hatte die Versammlung angemeldet. Der Pulk lief über die Residenzstraße und den Kasernendamm durch die Würzburger Straße und endete schließlich auf dem Martin-Luther-Platz.

„Friedlich“ war die Demonstration laut der Ansbacher Polizei verlaufen. „Die Verkehrsbeeinträchtigung konnte minimiert werden.“ Wer den gleichen Weg wie der Demozug hatte, musste wenige Minuten mehr in Kauf nehmen. Laut waren die Arbeitnehmer allemal.

Am Martin-Luther-Platz folgte eine Abschlusskundgebung mit drei Brandreden von Gewerkschaftsvertretern. „In diesem Land ist Geld für so vieles da, aber nicht für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes“, kritisierte zum Beispiel Volker Geyer, der stellvertretende Bundesvorsitzende des dbb.

Er zielte damit auf eines der Argumente der Arbeitgeber, dass für die geforderten Erhöhungen kein Geld zur Verfügung stünde. Das Bündnis verhandelt derzeit mit den Finanzministern der Länder.

Immer wieder skandierte die Menge die Kernforderung: „10,5; 10,5; 10,5;“. Die zweite Verhandlungsrunde der Einkommensrunde 2023 endete für die Beschäftigten der Länder Anfang November nämlich erneut ohne ein Angebot der Arbeitgeber, heißt es dazu seitens des dbb. „Inflation oder Wertschätzung für die Kolleginnen und Kollegen scheinen in ihrer Welt nicht vorzukommen.“

Mindestens aber wollen die Gewerkschaften 500 Euro mehr. Geyer begründete die Forderung nach 10,5 Prozent höheren Entgelten für zwölf Monate damit, dass die persönliche Inflationsrate der Menschen viel höher sei, als sie von Wirtschaftswissenschaftlern beziffert wird. Die Preise für Lebensmittel etwa seien gewaltig gestiegen.

Außerdem fordern die Gewerkschaften um 200 Euro höhere Ausbildungs-, duale Studenten- und Praktikantenentgelte sowie die unbefristete Übernahme von Azubis und Studenten in Vollzeit nach bestandenen Prüfungen.

Es sprachen auch der Bundesvorsitzende sowie der Stellvertreter des bayerischen Landesvorsitzenden der Gewerkschaft VDStra. Sichtbar protestierten auch zum Beispiel die Polizeigewerkschaft, der bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband und die Gewerkschaft für das Gesundheitswesen in Bayern. Am 29. November soll in Nürnberg demonstriert werden.

Stellvertretender Bundesvorsitzender des dbb, Volker Geyer (links), und Hermann-Josef Siebigteroth (mit Mikro), Bundesvorsitzender der Gewerkschaft VDStra, kritisierten die Arbeitgeber scharf. (Foto: Jonas Volland)
Stellvertretender Bundesvorsitzender des dbb, Volker Geyer (links), und Hermann-Josef Siebigteroth (mit Mikro), Bundesvorsitzender der Gewerkschaft VDStra, kritisierten die Arbeitgeber scharf. (Foto: Jonas Volland)
Stellvertretender Bundesvorsitzender des dbb, Volker Geyer (links), und Hermann-Josef Siebigteroth (mit Mikro), Bundesvorsitzender der Gewerkschaft VDStra, kritisierten die Arbeitgeber scharf. (Foto: Jonas Volland)

Jonas Volland
Jonas Volland
Jahrgang 2001, fing direkt nach seinem Abitur bei der FLZ an, ist im Anschluss an sein Volontariat seit dem Jahreswechsel 2023 Redakteur in der Ansbacher Lokalredaktion. Fasziniert von bunten Geschichten und aufwendigeren Recherchen.
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