Für Aufregung sorgt in Feuchtwangen die Entscheidung des Bauausschusses, den Zugang zur Stadthalle Kasten mittels Treppenlift barrierefrei zu gestalten: Kritiker bezeichnen die beschriebene Plattform als zu klein. Indes betont Bürgermeister Patrick Ruh, es handle sich lediglich um einen Grundsatzbeschluss. Wie der Lift konkret aussehen werde, sei noch offen.
Bei jenen Varianten, die im Bericht über die Sitzung in der FLZ vorgestellt worden waren, hätte die klappbare Plattform des Lifts, auf die mit einem Rollstuhl gefahren werden könnte, eine Fläche von 80 mal 100 Zentimetern. Jedoch monierte eine Reihe von Kritikern, dass Menschen, die „auf normale E-Rollis“ angewiesen sind, mit dieser Lösung „überhaupt nicht klarkommen“.
So erklärt zum Beispiel der Vater eines Betroffenen, der elektrische Rollstuhl seines Sohnes messe 85 mal 120 Zentimeter. Darüber hinaus müsse in vielen Fällen zusätzlich eine Begleitperson mitfahren, „weil bestimmt 50 Prozent aller E-Rollifahrer keinen Tot-Knopf bedienen können“.
Auf derlei Kritik angesprochen, stellte Rathauschef Ruh klar, bei dem beschriebenen Modell eines Lifts sei es lediglich um ein Beispiel zu Anschauungszwecken gegangen. Das Angebot sei eingeholt worden, damit die Mitglieder des Fachausschusses eine Vorstellung auch von den Kosten bekämen. Aber: „Es war nie vorgesehen, den Lift dieses Herstellers blind zu übernehmen.“
Der Beschluss beinhalte keine Details. Das Gremium habe nur festgelegt, dass aus seiner Sicht ein Treppenplattformlift die geeignetste Lösung für einen barrierefreien Zugang zum Kasten wäre, und die Verwaltung beauftragt, nun alle notwendigen Einzelheiten auszuarbeiten. Und da gehe es dann auch um die Abmessungen der künftigen Plattform.
Zugleich versprach Ruh, in all diese Überlegungen den Behindertenbeauftragten des Landkreises, Gerhard Siegler, sowie den selbst auf einen Rollstuhl angewiesenen Feuchtwanger Michael Schmidt als Experten mit einzubinden. Ergänzend stehe der Vorschlag im Raum, Fachleute vom Roten Kreuz angesichts von deren Erfahrungen beim Transport von Menschen mit Behinderungen ebenfalls zu befragen.
Nachdem auch eine Rampe an der Treppe zum Seiteneingang der Stadthalle im Gespräch gewesen war, hatte Stadtbaumeister Farag Khodary am Donnerstag vorübergehend ein Anschauungsexemplar aufstellen lassen. Jedoch sprach sich Rathauschef Ruh gegen eine solche Lösung aus. Ohnedies wäre an einer Rampe aus Sicherheitsgründen oben noch ein Geländer und unten eine Konstruktion nötig, damit niemand unter die Rampe kommt.
Davon abgesehen befürchtet der Bürgermeister, dass viele nicht Bedürftige eine solche Rampe aus Bequemlichkeit nutzen könnten. Der eigentliche Zugang mit der Kasse müsse aber im unteren Geschoss des Kastens bleiben. Denn: „Der Haupteingang unmittelbar beim Bühnenbereich ist nicht praktikabel.“
Auch einem der Betroffenen gefällt die Konstruktion, wie sie am Seiteneingang zur Stadthalle kurzzeitig begutachtet werden konnte, nicht. Seiner Meinung nach böte sich vielmehr eine Rampe direkt an der Hauswand an. Mit einer Serpentine würde sie auch nicht so weit in die Straße hinein ragen wie die besagte Attrappe, so der Mann, der jedoch grundsätzlich eine Rampe vorziehen würde. Denn im Brandfall ließen sich vielleicht bis zu drei Rollifahrer per Treppenlift rechtzeitig evakuieren. Über eine Rampe könnten hingegen mehr Menschen mit Gehbehinderungen die Stadthalle zügig verlassen.