Plastik hat in einem nachhaltig bewirtschafteten Wald eigentlich nichts zu suchen. Damit junge Bäume eine Chance haben, nicht von Rehen verbissen zu werden, werden jene derzeit aber häufig noch mit Kunststoff-Hüllen geschützt. Das soll sich ändern, meint Norbert Flierl.
Flierl ist Betriebsleiter beim Forstbetrieb Rothenburg der Bayerischen Staatsforsten. Um im Kampf gegen das Plastik voranzukommen, beteiligt sich der Forstbetrieb, der für weite Teile Westmittelfrankens zuständig ist, am Projekt „The Forest Cleanup“ der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg. Es hat einerseits das Ziel, Kunststoff-Altlasten aus den Wäldern zu entfernen, andererseits innovative Wuchshüllen aus nachwachsenden Rohstoffen zu entwickeln, erläuterte Prof. Dr. Sebastian Hein von der Rottenburger Hochschule bei einem Pressetermin.
Der Rothenburger Forstbetrieb hat dafür eine einen Hektar große Versuchsfläche im Revier Arberg auf dem Gebiet der Gemeinde Bechhofen zur Verfügung gestellt. 3000 junge Eichen wachsen dort, geschützt von vielen verschiedenen Wuchshüllen, die es auf dem Markt gibt. In einigen Jahren soll dort ein Wald stehen, der dem Klimawandel standhält.
Damit der Versuch nicht durch menschliche Einflüsse gestört wird, ist das Gelände umzäunt. Damit eine Wuchshülle den neuen Ansprüchen gerecht wird, muss sie aus Rohstoffen aus nachhaltiger Bewirtschaftung bestehen und unter Waldbedingungen vollständig abbaubar sein. Außerdem sollte sie funktionell und wirtschaftlich konventionellen Modellen mindestens gleichwertig sein und über eine vorteilhaftere Ökobilanz verfügen. Seit Jahresanfang werden in Bayern keine Plastikhüllen mehr gefördert. Bisherige Alternativen etwa aus Holz oder Weiden erwiesen sich in der Praxis allerdings als wenig brauchbar: Sie waren zu schwer, nicht haltbar genug oder hatten andere Nachteile.
Die Hoffnungen ruhen jetzt auf einem biologisch abbaubaren Material, dass einen praktikablen Aufbau mit Haltbarkeit und Lichtdurchlässigkeit verbindet. Arbotrade heißen die pflanzenbasierten Wuchshüllen.
„Schwäbische Tüftler“ hätten sie entwickelt, berichtet Hein, nachdem andere Firmen daran gescheitert waren, da das Material schwerer zu bearbeiten ist als konventionelles Plastik.
Wie genau die Schwaben das Problem gelöst haben, verrät Johannes Maute von Arbotrade natürlich nicht, aber durch die Zusammenarbeit verschiedener Abteilungen im Familienunternehmen habe man die richtigen Lösungsansätze gefunden.
Obwohl sie im Wald vollständig abbaubar wären, dürfen sie dort aber nach der aktuellen Rechtslage nicht bleiben. Wenn sie für den Schutz der kleinen Bäume nicht mehr gebraucht werden, gelten sie als Abfall und müssen wieder eingesammelt werden. Das werde man auch einhalten, versicherte Norbert Flierl. Anschließend wird geprüft, ob sie wiederverwendet werden können oder entsorgt werden müssen. Die Forstexperten hoffen allerdings, dass die entsprechenden Vorschriften geändert werden, erläutert Waldbauspezialist Heinrich Wimmer von den Bayerischen Staatsforsten.
Und ist öko teurer als konventionell? Im Moment schon noch, gesteht Johannes Maute zu. Aber wenn die Massenproduktion anläuft und man den geringeren Entsorgungsaufwand einkalkuliert, werde die Rechnung auch wirtschaftlich stimmen.