Pflegekräfte werden händeringend gesucht. In der neuen Reihe „Pflege live“, gewähren Pflegeheime im Landkreis Ansbach in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit Ansbach-Weißenburg Einblicke in ihre Arbeit. Ein Praxisvormittag im Stephanusheim in Dinkelsbühl.
Markus Eisen, der Einrichtungsleiter des Stephanusheims, kommt schnell auf den Punkt. „Ich hoffe, in den nächsten Tagen kommen einige Bewerbungen rein“, sagt er zu den drei Männern und vier Frauen, die der Einladung zum Praxisvormittag ins Stephanusheim gefolgt sind.
Wie viele andere Senioren- und Pflegeheime herrscht auch in der Einrichtung in Dinkelsbühl Personalmangel. 140 Mitarbeitende gibt es hier, 199 Heimplätze sind belegt. „Wir haben noch Betten frei und könnten noch mehr Menschen aufnehmen“, so der Heimleiter. Pro Woche bekommt er zehn bis 15 Anfragen. „Ich habe einen Aufnahmestopp verhängt, weil wir nicht genug Personal haben, um mehr Menschen zu versorgen“, bedauert Markus Eisen.
Leute zu finden, die Lust haben, Patientinnen und Patienten zu pflegen oder in den Bereichen Hauswirtschaft, Service und Reinigung aktiv zu werden, sollen nun über die Aktion „Pflege live“ ausfindig gemacht werden. „Vielleicht ist jemand schon länger aus dem Berufsalltag draußen oder traut sich wegen mangelnder Deutschkenntnisse nicht, sich zu bewerben“, meint Angelika Süßmuth, Vertreterin der Agentur für Arbeit im Netzwerk Pflege.
Solche Menschen möchte man mit den Praxisvormittagen erreichen. Anders als im „normalen“ Bewerbungsvorgang stellen sich bei „Pflege live“ nicht erst die Bewerbenden vor, sondern die Einrichtung, die die Jobs zu vergeben hat. Das Stephanusheim zeigt sich dabei von seiner besten Seite.
In der Zentralküche duftet es nach Frischgebratenem, es gibt Bratwurst mit Sauerkraut. „Das lieben unsere Bewohnerinnen und Bewohner“, sagt Yvonne Haug, die Hauswirtschaftsleiterin des Heims. 200 bis 300 Essen gehen täglich aus der Küche raus. Die Mitarbeitenden dürfen – wenn sie es vorher anmelden – selbstverständlich mitessen.
Auch in der Waschküche riecht es gut, zwei Mitarbeiterinnen stehen am höhenverstellbaren (und deshalb rückenfreundlichen) Tisch und legen die frisch gewaschene Wäsche der Bewohner zusammen.
„Wir sanieren hier ständig. Die Trockner sind neu“, lobt die Hauswirtschaftsleiterin. Ein Blick in die Mitarbeitenden-Räume zeigt, dass es frisch-gewaschene Arbeitskleidung fürs Personal gibt. Und, für den Feierabend oder die Pausen, der Clou: eine Massageliege. „Sie wird gut angenommen“, versichert Eisen.
Er preist die Vorteile des Pflegeberufes und insbesondere die Arbeit in seiner Einrichtung an. Es wird nach Tarif bezahlt, es gibt regelmäßig Schulungen für alle Mitarbeitenden und auch die Möglichkeit, sich weiterzuqualifizieren. Zum Beispiel die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft finanzieren Heime und Arbeitsagentur gemeinsam.
„Wir wissen, dass man ab einem gewissen Alter nicht mehr von einem Azubi-Gehalt leben kann. Sie alle haben Fixkosten - und wir wollen, dass sie die bezahlen können“, sagt Angelika Süßmuth, die die Interessenten am Praxisvormittag mit Markus Eisen begrüßt. „Wer die Ausbildung zur Pflegefachkraft macht, bekommt ein Helfergehalt, das ist mehr als das Azubigehalt“, erklärt sie.
Der Mindestlohn für Leute, die als Pflegefachhelferin oder -helfer arbeiten, beträgt laut Arbeitsagentur etwa 2700 Euro im Monat. Die Ausbildungsvergütung liegt bei etwa 1100 Euro monatlich. Die Differenz zwischen den Gehältern stockt die Arbeitsagentur auf.
„Alles hier ist gut organisiert. Ich würde gerne hier arbeiten. Aber ich wohne in Wilburgstetten und habe kein Auto. Nur von sieben bis 17 Uhr könnte ich dabei sein“, sagt eine Teilnehmerin des Praxisvormittags. Man versuche flexibel auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden einzugehen, versichert Einrichtungsleiter Markus Eisen. Doch: Es gibt bereits einige Mütter in der Belegschaft, die auf Tagschichten angewiesen sind. „Wir können das nicht weiter ausreizen, sonst haben wir niemanden mehr für die Spätschichten“, sagt er.
Laut Arbeitsagentur beträgt das Medianentgelt von Pflegeberufen in Stadt und Landkreis Ansbach zwischen 3500 und 3800 Euro brutto. Es liegt damit gut 300 Euro über dem Medianeinkommen aller Berufe. Dennoch scheint der Beruf nicht so attraktiv zu sein.
„Der Markt ist wie leer gefegt. Wir finden kein Personal mehr“, bedauert Eisen. Dennoch möchte das Stephanusheim nicht auf externe Dienstleister wie Zeitarbeiter zurückgreifen. Aus anderen Einrichtungen höre man zu oft, dass Externe nicht mit dem eigenen Personal und den Patienten harmonieren. „Wir tun alles, um selbst Personal zu akquirieren“, sagt Eisen.
„Pflege live“ ist ein weiterer Versuch in diese Richtung. „Ich habe einen guten Eindruck. Aber ich muss nachdenken“, sagte eine andere Teilnehmerin. Markus Eisen versucht noch einmal zu begeistern: „Sie haben bei der Führung gesehen: alle Mitarbeitenden haben ein Lächeln auf den Lippen. Viele sind schon lange Teil des Teams. Es ist gut, hier zu arbeiten.“ Wie gut das nach außen wirkt, wird er demnächst im Bewerbungsgeingang sehen.
Die nächsten „Pflege live“-Veranstaltungen finden statt am Mittwoch, 15. November, im Seniorenwohnen Rothenburg, Spitalhof 4, von 9.30 bis 11.30 Uhr und am Donnerstag, 16. November, im AWO-Pflegeheim Wassertrüdingen, Dinkelsbühler Str. 36, von 9 bis 11 Uhr. Anmeldung per Telefon unter 0981/182-360 oder per E-Mail an Ansbach-Weissenburg.BCA@ arbeitsagentur.de