Hermann Emmert hat eine große Leidenschaft: die Archäologie. Nun hat der 84-Jährige „Neues vom Schlossberg“ zu verkünden. Um das möglich zu machen, hat er weder Kosten noch Mühen gescheut. Emmert zufolge lasse sich nun wissenschaftlich belegen, dass die Wälle auf dem Burgbernheimer Schlossberg aus der Hallstattzeit stammen.
Es war ein Abend im März des vergangenen Jahres, als Emmert sich fertig machte. Es dämmerte bereits und der 84-Jährige packte notwendiges Handwerkszeug zusammen. Dazu gehörte ein Klappspaten. Außerdem Alufolie und Frischhaltefolie sowie eine kleine Schaufel.
Besonders wichtig war seine Schirmmütze. An der hatte er zuvor mit Kabelbinder eine Rotlichtlampe befestigt. Für sein Vorhaben wollte und musste er jegliche grelle Lichteinstrahlung vermeiden. Um beim Graben trotzdem etwas sehen zu können und die Hände frei zu haben, hatte er sich fürs Rotlicht an der Mütze entschieden. „Das war schon ein bisschen aufwendig“, sagt Emmert. Er habe lange und viel darüber nachgedacht, wie er es befestigen könne – und wie er das mit der Entnahme der Probe aus einem der Wälle auf dem Schlossberg überhaupt bewerkstelligen könne.
Denn irgendwann war klar, dass er es durchziehen würde. Endlich. Um nicht mehr nur spekulieren zu müssen, sondern etwas Belastbares vorweisen zu können. Gemeint ist die Entnahme eines Brandlehm-Brockens aus einem der Wälle des Schlossbergs. Den wollte Emmert zum Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie in Mannheim schicken, um ihn dort mit Hilfe des Thermolumineszenz-Verfahrens untersuchen zu lassen.
Dieses Verfahren wird in der Archäologie als Methode zur Altersbestimmung von gebrannten Artefakten und zur Datierung von Sedimenten genutzt. Die Reichweite der Methode beträgt mehr als 50.000 Jahre. Unter guten Voraussetzungen sind sogar schon bis zu 500.000 Jahre erreicht worden.
Damit die Datierung gelingt, darf die Probe jedoch keiner Lichteinstrahlung ausgesetzt werden. Deswegen muss sie möglichst im Dunkeln entnommen und zugleich gut verpackt werden. Damit alles reibungslos klappt, hatte der 84-Jährige seine Frau Gertrud dabei. Sie hat die von Hermann Emmert freigelegten Lehmbrocken erst in Alufolie verpackt und anschließend zusätzlich in Frischhaltefolie. Im Rucksack trug das Ehepaar die Proben schließlich nach Hause, wo es sie für ihre Abreise per Post ins Forschungslabor nach Mannheim fertiggemacht hatte.
Mit Spannung haben sie dann auf das Ergebnis gewartet. Es kam Ende Oktober. Demnach ist der Brandlehm-Brocken vom Burgbernheimer Schlossberg rund 2650 Jahre alt und stammt somit etwa aus dem 7. Jahrhundert vor Christus. So schreibt es Emmert in seiner Abhandlung zum Thema. Denn was der Hobby-Archäologe erforscht, will er auch dokumentieren und anderen zugänglich machen – so wie in seinem „Streifzug durch die Kulturlandschaft von Burgbernheim und Umgebung“, das im Rathaus zu erwerben ist.
Das Spekulieren über das, was einst war und sich möglicherweise auf dem Schlossberg abgespielt hat, endet für Emmert nun trotzdem nicht. Viele Fragen bleiben: Warum steckt der Brandlehm in dem Wall auf dem Schlossberg? Wie ist er dort hingekommen? „Ich möchte noch viel mehr herausfinden“, sagt der ehemalige Ingenieur, der sehr heimatverbunden und in Burgbernheim geboren worden ist. „Tag und Nacht“ sinniere er über mögliche Szenarien, verwerfe sie wieder und überdenke einmal gefasste Theorien. Nur, um kurz darauf neue zu entwickeln. „Wissen tun wir nichts, spekulieren tun wir weiter“, sagt Emmert.
Er setzt sich seit Jahrzehnten dafür ein, dass auf dem Schlossberg eine archäologische Grabung vorgenommen wird. Bislang vergeblich. Doch er will nicht aufgeben, steht auf dem Areal und zeigt in die Ferne. Neben ihm verläuft einigermaßen sichtbar einer der Wälle. „Eine Grabung wäre mein größter Wunsch.“