Um das Millionendefizit beim öffentlichen Nahverkehr in den Griff zu bekommen, setzt der Landkreis Ansbach jetzt auch auf Kürzungen bei den Buslinien. Außerdem entfallen geplante Verbesserungen.
Bei den Kürzungen geht es um das Linienbündel 7 im Bereich von Wassertrüdingen bis Herrieden. Bei der nächsten Vergabe soll die Kilometerleistung um zehn Prozent reduziert werden, beschloss der Kreisausschuss und folgte damit mit acht zu zwei Stimmen der mehrheitlichen Empfehlung des ÖPNV-Ausschusses des Kreistags.
Für die Linien 736 bis 739, 802 bis 804 und 822, die das Bündel 7 bilden, war zunächst eine ebenso kurzfristige wie teure Notvergabe nötig geworden. Es kam zu einer enormen Kostensteigerung. Anschließend muss aber eine ordnungsgemäße europaweite Ausschreibung erfolgen.
Der erste Schritt dazu ist, dass im EU-Amtsblatt veröffentlicht wird, welche Fahrten vorgesehen sind. Im März 2023 gab es bereits eine solche Vorab-Bekanntmachung mit einem Umfang von 1,8 Millionen Fahrplankilometern. Dabei wurde angenommen, dass alle Rufbusse tatsächlich abgerufen werden.
Bei der Notvergabe wurde das Angebot schon auf 1,46 Millionen Kilometer reduziert, um Kosten zu sparen. Dies hatte der Kreisausschuss im Dezember 2024 unter Ausschluss der Öffentlichkeit beschlossen. Damit blieben Lücken im Fahrplan vor allem am Wochenende und in den Schulferien bestehen, die im Nahverkehrsplan des Landkreises identifiziert worden waren. Außerdem beschwerten sich einige Gemeinden bei der Regierung von Mittelfranken darüber, dass sich die Anbindung mancher Haltestellen verschlechtert habe.
Angesichts der schwierigen Finanzlage des Landkreises sollen nun trotzdem weitere zehn Prozent eingespart werden. Welche Fahrten es treffen wird, entscheidet die Verwaltung, sobald belastbare Nutzungszahlen nach dem Start der neuen Fahrpläne am 1. August vorliegen.
Gabi Schaaf (Grüne) plädierte im Kreisausschuss dafür, die Entscheidung erst nach der Kommunalwahl vom neuen Kreistag treffen zu lassen. „Jeder würde gern mehr ÖPNV sehen”, sagte Stefan Horndasch (CSU). Es sei aber eine Grenze erreicht. Der Nahverkehrsplan sei in seiner bisherigen Form nicht mehr finanzierbar. Horndasch will auch weiterhin anstreben, dass Linien eigenwirtschaftlich, also auf Rechnung der Busunternehmen, betrieben werden - auch wenn die Aussichten dafür nicht gut seien. „Die Zeit der Eigenwirtschaftlichkeit ist tendenziell vorbei, bekomme ich von den Unternehmen gespiegelt”, erklärte dazu der zuständige Sachgebietsleiter Ulrich Hausner.
„Wir werden uns auch in anderen Bereichen fragen müssen, was wir uns noch leisten können”, meinte Uwe Reißmann (SPD). Eine zehnprozentige Kürzung als politische Vorgabe findet er aber nicht richtig. Stattdessen solle „effizient und bedarfsgerecht” gekürzt werden. Stefan Ultsch (SPD) ergänzte, man müsse sich gemeinsam die Zahlen anschauen, um herauszufinden, welche Angebote nicht genutzt werden.
Notvergaben gab es auch beim Linienbündel 1 (Dombühl-Schnelldorf) mit den Linien 805, 807, 813, 814, 817, 818, 855, 856, 858 und 859 sowie bei Teilen des Linienbündels 4 (Rothenburg) mit den Linien 732, 815, 851, 852, 854 und 857. Ziel des EU-weiten Vergabeverfahrens sind Verkehrsverträge mit einer Laufzeit von zehn Jahren, die am 1. August 2026 beziehungsweise am 1. September 2026 beginnen. Noch im Herbst letzten Jahres hatte der Kreisausschuss sich für Verbesserungen in den Ferien und am Bahnhof Schnelldorf ausgesprochen, wo seit einigen Monaten die S-Bahn hält.
Bei der Notvergabe beschränkte man sich dann darauf, den Anschluss am Bahnhof Schnelldorf zu verbessern. Bei der neuen Vergabe entfällt die Linie 858, die künftig als reine Schulbuslinie vom Schulverband des Schulstandorts Dombühl übernommen wird. 23.000 Kilometer fallen so weg. Die Verbesserungen in den Ferien wird es auf Dauer nicht geben, beschloss der Kreisausschuss. Hinsichtlich der Bündel 1 und 4 fielen die Beschlüsse einstimmig.