Wer die Romane von Hans Fallada kennt, mag sich schwer tun, sich diese seitenstarken Werke als Revue vorzustellen. Dass es dennoch klappen kann, haben Peter Zadek und Tankred Dorst 1972 bei ihrer Uraufführung in Bochum bewiesen. Nun wagt sich das Theater Ansbach an dieses Experiment.
„Man darf sich diese Inszenierung nicht als klassische Revue mit Nummerngirl, bunten, flotten Liedern, Tanz- und Artistikeinlagen vorstellen“, warnt Robert Arnold, der die Regie führt. Die Musik hat Martin Geisen bearbeitet und mit Ulrike Koch als Probenleiterin einstudiert. Komponiert hat sie Erwin Bootz, der ehemalige Pianist der Comedian Harmonists, der sie seinerzeit für das Ensemble auch arrangierte und komponierte. Sie passt zur Handlung des Fallada-Romans „Kleiner Mann – was nun?“, der Anfang der 1930er Jahre spielt.
Um ungefähr die Hälfte der ursprünglich auf vier Stunden angesetzten Revue von Dorst-Zadek haben Arnold und sein Team das Stück gekürzt. Trotzdem eine große Produktion, die im „Theater hinterm Eisernen“ stattfinden wird. Ein weiterer Baustein der Planstelle Theater mit Musik, wie sie schon unter Axel Krauße mit Brechts „Dreigroschenoper“ angelegt worden ist.
Als durchaus aktuell sehen der Regisseur und sein Dramaturg Jan Besser die Thematik des Fallada-Klassikers um die glücklosen Protagonisten Johannes Pinneberg (Niklas Schüler) und seine Frau Emma Mörschel, genannt „Lämmchen“ (Anna Woll). Sie strampeln und mühen sich ab und kommen wirtschaftlich doch nicht von der Stelle. Die Umstände sind es, die ihnen ein normales Leben verwehren.
Sie fühlen sich zunehmend als Opfer. „Die wollen alle was von mir, für mich wollen sie doch nichts“ lamentiert Pinneberg, nachdem er zum wiederholten Male seinen Job verloren hat. Dabei ist er begabt, engagiert, fleißig. Die einzige Stütze ist Lämmchen, die trotz aller Widrigkeiten noch an das Gute im Menschen glaubt, der nur dann schlecht sei, wenn er durch die Welt schlecht gemacht werde.
Falladas Werk widmete sich damals jenen, die im Grunde keine Beachtung in der Gesellschaft fanden, jene „kleinen Leute“, die trotz allen Bemühens auf keinen grünen Zweig kamen. Im Angesicht der Hyper-Inflation, des wirtschaftlichen Niedergangs am Vorabend der Nazi-Diktatur wurden diese wie Strandgut hin und her geworfen. Das machte damals bei der Lektüre betroffen und tut es noch heute. Denn manche der alten Fragen und Gespenster tauchen wieder auf.
Den umfangreichen Roman in eine knackige Bühnenfassung mit Musik umzusetzen, bedürfe es radikaler Schnitte, so Arnold. So wird sich die vielfach verzweigte Handlung mit einer stattlichen Reihe von Nebenfiguren auf Pinneberg und Lämmchen konzentrieren. „Ein geradezu idyllisches Ehepaar, das trotz aller Krisen zueinandersteht“, sagt Arnold. Wichtig sei beiden, ob all der Widrigkeiten ihrem eigenen moralischen Kompass zu folgen. Lämmchen reflektiert: „Schwindel und Lüge, das kann ich freilich nicht. Vielleicht ist das unser einziger Luxus.“
Manch einem, der heute in einer sozioökonomischen Klemme steckt, mag es ähnlich gehen. „Ein Job aus Berufung, aus Leidenschaft, in einer Welt, die verlernt hat, aufeinander Acht zu geben, ist auch heute schwer zu verwirklichen“, findet Arnold. Die Revue – neben dem Hauptpaar in unterschiedlichen Rollen zu sehen sind Katja Schumann, Sophie Weikert, Nicole Schneider und Mitglieder des Stadtensembles – will diese düstere Botschaft mit heiteren Nebentönen verbinden.
Die Premiere findet am 21. Februar ab 19.30 im Theater Ansbach statt.