Landestheater Dinkelsbühl: Mit Liesl Karlstadt in der Künstlergarderobe | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 07.11.2025 13:00

Landestheater Dinkelsbühl: Mit Liesl Karlstadt in der Künstlergarderobe

Spielen am Landestheater Dinkelsbühl Liesl Karlstadt und Karl Valentin: Margret Gilgenreiner und Andreas Peteratzinger. (Foto: Richard Schönherr)
Spielen am Landestheater Dinkelsbühl Liesl Karlstadt und Karl Valentin: Margret Gilgenreiner und Andreas Peteratzinger. (Foto: Richard Schönherr)
Spielen am Landestheater Dinkelsbühl Liesl Karlstadt und Karl Valentin: Margret Gilgenreiner und Andreas Peteratzinger. (Foto: Richard Schönherr)

Mit Hamlet sitzt man ja eher selten am Stammtisch. Von daher ist es nicht unbedingt die Regel, dass ein Komponist von Schauspielmusik die Figuren eines Stücks persönlich kennt. Aber wie immer im Leben gibt es Ausnahmen. Der Valentin-Karlstadt-Abend des Dinkelsbühler Landestheaters ist eine – Rudolf Gregor Knabl kann erzählen, warum.

„Dann haben Sie eben eine andere Weltanschauung“ heißt das Stück, das Gisela Maria Schmitz für das Landestheater Dinkelsbühl geschrieben hat. Ein Abend über eines der großen Komikerduos sollte es werden, über Karl Valentin und Liesl Karlstadt. Für die Musik hat die Theatermacherin Rudolf Gregor Knabl gefragt. Sie arbeitet mit ihm gern zusammen.

Kindheitserinnerungen an Liesl Karlstadt

Dieses Mal hätte die Wahl aber nicht besser sein können. Zum einen ist Rudolf Gregor Knabl ein Urmünchner und war fast 40 Jahre der musikalische Leiter am Bayerischen Staatsschauspiel, zum anderen wegen der persönlichen Nähe: „Valentin und Karlstadt haben zu meiner Kindheit, zu meiner Jugend gehört wie nichts anders”, sagt er. Die zwei gehörten und gehören zu München. Auf dem Viktualienmarkt stehen noch heute ihre Denkmäler.

Einen besonderen Spaß hat es Rudolf Gregor Knabl darum gemacht, die Musik zum Stück zu entwickeln. Zwischen den Szenen beschwört sie Altmünchner Flair mit Melancholie und Witz und charakterisiert auch die Personen. Die Titel, die freilich nur im Text stehen, sprechen für sich, Titel wie, „Ratlos im Herbst”, „Wrdlbrmpf”, „Weissblauer Himmel”, „Mit Rollschuhen übern Stachus” „Isarflimmern” oder „Hypochondrischer Walzer”.

Den Valentin, der 1948 gestorben ist, hat Rudolf Gregor Knabl, er ist 1951 geboren, nicht mehr kennengelernt, aber die Karlstadt. Er hat mit ihr gespielt. Oder vielmehr: Sie mit ihm, um dem kleinen Buben die Zeit zu vertreiben.

„Meine Eltern waren mit der Liesl Karlstadt auf Tournee”, erzählt Rudolf Gregor Knabl. „In den 50er Jahren war das.” Sein Vater war Musiker, ein berühmter: Rudi Knabl, der Zithervirtuose, der Paganini der Zither, der Zither-Papst – solche Ehrentitel haben ihm Journalisten gegeben. Die Mutter und die Tante traten in den volkstümlichen Programmen als Gesangsduo auf, und zwischendurch eben die Karlstadt.

Zeitvertreib mit Fingerspielen

Ihren Sohn nahmen die Eltern manchmal zu solchen Veranstaltungen mit. „Da haben wir in der Künstlergarderobe gewartet und die Eltern waren draußen und haben musiziert”, erinnert er sich. „Ich bin dann halt mit der Liesl Karlstadt da gesessen”. Bewusst war ihm natürlich nicht, mit welcher Berühmtheit er da saß. Liesl Karlstadt gab sich ganz unprätentiös und kümmerte sich um den Buben. Ein Fingerspiel fällt Knabl spontan ein, eines, „wo man an den Fingern ein Papierl hat” und „Hansl, flieg weg” ruft oder „Gretel, komm wieder”. Bei der Wiederkehr ist allerdings das Papierl wie von Zauberhand verschwunden. „Ich weiß noch, wie mich das gewundert hat”. Liesl Karlstadt hat ihm dann gezeigt, wie der Trick geht.

Aufgefallen ist dem kleine Rudi damals auch etwas. „Meine Eltern waren ja Musiker. Die sind ja auf der Bühne genauso wie im richtigen Leben. Aber was ein Schauspieler ist”, sagt er, das sei ihm bei Liesl Karlstadt klar geworden. „Sie war eine ganz nette, ruhige Frau. Wenn sie dann Sketche gespielt hat, war sie komplett anders. Total verwandelbar.”

Knabls Großeltern mütterlicherseits waren „richtig gebürtige Münchner, Sozialdemokraten aus der Zeit”, erzählt der Musiker weiter. Für den Anekdotenschatz der Familie steuerten sie eine bezeichnende Begegnung mit Karl Valentin bei, die nun ins Stück eingeflossen ist.

Ermahnung von Karl Valentin

Knabls Oma arbeite im Apollo, einem Varieté, in dem auch Karl Valentin auftrat. Sie hatte einen Zigarren-Bauchladen. „Mein Opa hat sie oft abgeholt. Er ist da in der Ecke gestanden und hat dem Valentin zugeschaut und hat gelacht.” In der Pause ist daraufhin einmal Karl Valentin zu ihm gegangen und hat ihn ermahnt: „Sie, wenn Sie da allweil lacha, dann vergiss i mein Text.”

”Dann haben Sie eben eine andere Weltanschauung”: Nächste Vorstellungen in Dinkelsbühl, Freitag, 7. November, 20 Uhr, Sonntag, 23. November, 17 Uhr, Samstag, 13. Dezember, 20 Uhr, Mittwoch, 31. Dezember, 17 Uhr. In Rothenburg am Samstag, 14. Februar 2026, um 20 Uhr im Städtischen Musiksaal.


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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