Bei der Aufklärung des versuchten Mordes in Heilsbronn hat die Ansbacher Kripo unerwartete Unterstützung aus Paris bekommen. Die wütende Ex-Partnerin des Auftraggebers schickte Namen und Fotos. Ihr Deckname: „Leyla”.
Kurz vor Plädoyers und Urteil breitete der Chef-Ermittler in dem Fall bisher unbekannte Details aus. Wenige Tage nach der Tat erreichte die Kripo Handy-Post aus Frankreich. Es meldete sich eine Frau, die sich als Ex-Partnerin des Auftraggebers bezeichnete. Die Soko „Gundekar” begann einen Chat, mit dem niemand rechnen konnte.
„Sie hat gesagt, dass der Auftraggeber zu ihr gekommen ist. Er war betrunken und ist eingeschlafen. Sie hat sein Handy angeschaut und Bilder rausgenommen”, fasste der Kripobeamte die erste Nachricht im Ansbacher Gerichtssaal zusammen. Es folgten mehr Infos, mit dem Namen des Mannes, der in der St.-Gundekar-Straße in Heilsbronn den international tätigen Geschäftsmann lebensgefährlich verletzt hatte. Sein Komplize wurde ebenfalls genannt – und der Auftraggeber.
Von dem Mann bekam die Kripo auch ein Foto von Leyla. Sie schrieb auf Französisch, weshalb bei den Chats neben Polizeibeamten auch eine Dolmetscherin saß. „Wir haben versucht, sie zu einer Aussage bei uns zu bewegen und hätten sie dafür an der Grenze abgeholt”, so der Chef-Ermittler. Das lehnte Leyla aber ab, ebenso wie eine Aussage bei der französischen Polizei.
Drei Wochen nach ihrer ersten Nachricht schickte sie ihre letzte. Der Kontakt brach ab, seitdem hat die Ansbacher Kripo nichts mehr von ihr gehört. Sie kennt den richtigen Namen von Leyla, der zu ihrem Schutz im Gerichtssaal nicht genannt wurde – falls sie noch lebt.
Während Leyla lieferte, fügte die Soko „Gundekar” alle Puzzleteile zusammen, die sie auf den unterschiedlichen Wegen fand. Auch dabei spielte ein Handy eine wichtige Rolle. Denn der Täter hatte nach seiner Festnahme in England nicht nur geplaudert, sondern auch zwei zentrale Stellen gezeigt. Das Tatmesser hatte er auf der Flucht über den Zaun um einen Weiher an der Neuendettelsauer Straße geworfen. Die Stelle ist nur einige hundert Meter vom Tatort entfernt.
Mit seinem Komplizen rannte er, so seine Erinnerung, etwa noch einen Kilometer weiter. Dort wartete ein BMW, den die Strippenzieher im Hintergrund für die Flucht nach Heilsbronn beordert hatten. An der nahen Anschlussstelle zur A6 nahm der BMW Kurs auf Frankreich.
Über ihm knatterte der Polizeihubschrauber zu Fahndung nach Heilsbronn. Der Täter und sein Komplize gerieten in Panik. Sie machten ihre Handys aus, öffneten das Fenster und warfen sie neben der Fahrbahn ins Gras.
Ob und wann sie die Kripo jemals gefunden hätte, ist offen. Sie hatte früh den Namen der Verdächtigen, womit es zu den Handynummern nicht mehr weit war. Die Sekunde, in der beide gleichzeitig aus der Funkzelle in Heilsbronn verschwanden, war bekannt. Nach der Festnahme des Täters auch die Fluchtroute nach Westen.
Mit einer Hundertschaft hätte man dann einen Streifen an der A6 abgesucht, so der Chef-Ermittler. Aber mit den Ortsangaben des 26-Jährige war es leichter. Die Handys lagen gleich nach der Anschlussstelle und einem Rastplatz in einer Wiese. Und gaben, ähnlich wie Leyla, der Kripo wertvolle Hinweise.