Der Zeitpunkt schien günstig für ein Nahwärmenetz in Prühl. In dem Ortsteil von Oberscheinfeld (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) steht eine Dorferneuerung samt Sanierung der Hauptstraße an. Das böte Gelegenheit, gleich Wärmeleitungen zu verlegen. Doch die Planungen gerieten in eine Sackgasse: wegen der Kosten, wegen der technischen Anforderungen und wegen der weggebrochenen Förderung.
Aller guten Dinge sind drei, sagt der Volksmund. Doch selbst drei Anläufe reichten letztlich nicht, um ein Nahwärmekonzept umsetzungsfähig zu bekommen. Der Gedanke dazu kam vor einigen Jahren auf, nach der Erinnerung von Oberscheinfelds drittem Bürgermeister Herbert Dürr im Jahr 2021. Da hatten im Rahmen einer Umfrage zur Dorferneuerung über zwei Dutzend Bürger Interesse bekundet. Die meisten Anwesen in dem 200-Einwohner-Dorf werden noch mit Öl oder Holz geheizt, erklären Dürr und Bernd Rammes.
Elektromeister Rammes und der Ex-Banker Dürr sind Teil einer Arbeitsgruppe aus zwei Handvoll Prühlern, die sich über ein Wärmenetz die Köpfe zerbrachen. Im Pressegespräch berichten die beiden über das Auf und Ab der Planungen, bei denen man zeitweise auch mit dem Energie Campus Feuchtwangen zusammenarbeitete, einer Außenstelle der Hochschule Ansbach.
Wir wären auf die stolze Zahl von knapp zwei Kilometer gekommen.
Bei jenem ersten Anlauf hatten die Prühler einen auswärtigen Betreiber an der Angel. Er erstellte ein Konzept für eine Heizstation am Ortsausgang in Richtung Haag und mit einem Verteilnetz. „Wir wären auf die stolze Zahl von knapp zwei Kilometern gekommen“, merkt Dürr zu den nötigen Leitungen an.
Das wurde dann mal über den Verein C.A.R.M.E.N. durchgerechnet. Das Kürzel steht für Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Entwicklungs-Netzwerk; der vor über drei Jahrzehnten vom Freistaat Bayern initiierte Verein mit Sitz in Niederbayern hat zwei seiner Schwerpunkte auf den Themen Holzenergie und Wärmenetze. Das Ergebnis war: „Das wäre so teuer geworden, dass es für den Endverbraucher uninteressant war“, erklärt Dürr. Da hätte der Heizölpreis schon bei zwei Euro liegen müssen, um als Alternative wirtschaftlich erwägenswert zu sein. Folge: „Das ist dann einigermaßen im Sande verlaufen“, sagt Dürr.
Diskutiert wurde dann, das Wärmenetz zu einem Projekt der Dorferneuerung zu machen, wozu man sich aber nicht durchringen konnte. Stattdessen brachte Markus Dohrer, Bauoberrat am Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) und in dieser Funktion der Vorsitzende der Prühler Dorferneuerungs-Teilnehmergemeinschaft, den Standort der Hochschule in Feuchtwangen ins Spiel.
Holz ist da ohne Ende.
Die Feuchtwanger sollten, dazu entschloss man sich Ende 2022, einen Variantenvergleich anstrengen, was denn die beste Lösung für Prühl wäre – allerdings zunächst nur in einem vergleichsweise groben Projektplan und für relativ schmales Geld, wofür hauptsächlich das ALE geradestand; die Gemeindekasse kostete das nach Dürrs Erinnerung nur eine dreistellige Summe. Doch: „Letztendlich ist genau das rausgekommen, was wir auch schon gehabt haben“, bilanziert Dürr. Naheliegend wäre eine Hackschnitzel-Heizanlage. Die Prühler wundert das nicht. „Holz ist da ohne Ende“, sagt Rammes, und Dürr präzisiert: „Wir haben Gemeinde- und Genossenschaftwald von ungefähr 300 Hektar.“
Das eigentliche Konzept der Wissenschaftler wäre dann deutlich im fünfstelligen Bereich gelegen: „Wir haben lange diskutiert, legen wir die 40.000 Euro auf den Tisch, aber was letztlich rauskommt, hat keiner gewusst.“ Zudem drängte auch die Zeit, denn 2023 war eigentlich der Beginn der Hauptstraßensanierung vorgesehen. Und es war ja klar: „Das Wärmenetz muss drinliegen, bevor die Dorferneuerung anfängt“, erläutert Rammes. „Das wäre eng geworden.“
Der Ukrainekrieg und die weiterhin auf sich warten lassende Staatsstraßensanierung befeuerten voriges Jahr einen dritten Anlauf. Rammes: „Das Thema ist nochmal aufgekeimt, als man gemerkt hat, das mit der Energieversorgung wird immer teurer und teurer.“
Immer war die Frage da: Was kostet’s?
„Es hat sich jemand gemeldet, der die Heizzentrale errichten würde“, entsinnt sich Dürr. Die Planungsgruppe erwog: Die Dorfgemeinschaft baut das Leitungsnetz, der Investor die Heizzentrale, und er verkauft die Wärme an die Abnehmer. Doch auch wenn nun die Heizzentrale etwas mittiger im Ort hätte stehen sollen, blieb es ein technisches Problem, dass die Interessenten ziemlich verstreut waren im Dorf. So entschloss man sich, die am weitesten entfernten Anwesen aus der Planung zu nehmen. Umgekehrt hätte man ebenfalls aus technischen Gründen gerne mehr Abnehmer an der Hauptstraße gehabt, wo nur eine Handvoll Anlieger mit von der Partie sein wollten.
Die Prühler sahen sich auch andernorts um, in Kornhöfstadt und in Oberlaimbach. Bei diesen Ortsterminen gab es eine rege Beteiligung, berichten Dürr und Rammes. Doch neben technischen und organisatorischen Aspekten ging es letztlich ums Geld. Rammes: „Immer war die Frage da: Was kostet’s?“
Da wäre man, so wurde schließlich im vorigen Herbst errechnet, bei einem Herstellungspreis von 14.000 Euro je Anwesen gelandet, der Betrieb hätte im Grundpreis bei 100 Euro je Monat gelegen und der Arbeitspreis bei 13 Cent je Kilowattstunde. Kein Schnäppchen, eher eine Mehrbelastung. Dennoch wäre gut ein Dutzend Bürgerinnen und Bürger unter diesen Bedingungen bereit gewesen, sich auf die Nahwärmeversorgung einzulassen. Den „endgültigen Todesstoß“ erhielten die Pläne dann aber durch die Aussetzung der Bundesförderung.
Die Buchenscheite werden alle Jahre schwerer.
Dadurch rechnet sich solch eine Gemeinschaftsheizung definitiv nicht mehr – jedenfalls für die verhältnismäßig großen Dimensionen eines Straßendorfes wie Prühl. Dürr will nicht ausschließen, dass es unter einigen nahe beieinander liegenden Anwohnern eine kleiner dimensionierte Lösung gibt, „fünf, sechs, sieben, die miteinander was bauen“, sinniert Rammes. „Für die Katz’ war es nicht“, sagt Dürr deshalb über die jahrelangen Debatten.
Sofern die Leitungen nicht in der Hauptstraße liegen müssen, braucht dabei auch keine Rücksicht auf die Dorferneuerung genommen zu werden. Dürr selbst liebäugelt jedenfalls damit. Er hat in seinem Haus eine Holzheizung, die bei Bedarf von einer Ölheizung unterstützt wird. Der 67-Jährige sagt: „Die Buchenscheite werden alle Jahre schwerer.“ Er mutmaßt, dass es bei der Altersstruktur im Dorf manchem Mitbürger ähnlich ergeht.
Für die Katz’ war es auch deshalb nicht, weil die Debatten das Dorfleben gestärkt haben, finden Dürr und Rammes. Die Versammlungen waren stets gut besucht. Das Ergebnis sei zwar „nach der vielen Arbeit schade“, sagt Rammes, aber „für den Ort hat man gesehen, dass das Miteinander echt gut funktioniert.“