Ihr Bohrmehl rieselt aus kleinen Löchern in den Fichten. Es ist dunkelbraun und sieht aus „wie Schnupftabak“, so Andreas Egl vom Ansbacher Landwirtschaftsamt. Die Borkenkäfer greifen derzeit wieder massiv und in Massen an. Das kühle und nasse Frühjahr hatte sie noch gebremst.
Andreas Egl leitet den Bereich Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Ansbach. Er ist für die Stadt und den Landkreis Ansbach zuständig. Forstoberrätin Nadja Fischer vom Landwirtschaftsamt Fürth-Uffenheim hat insbesondere die Wälder im Kreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim im Blick.
Ebenso wie ihr Kollege Egl beurteilte sie auf FLZ-Anfrage die aktuelle Borkenkäferlage. Dabei stimmten die beiden Fachleute im Wesentlichen überein.
„Der Borkenkäfer ist jetzt wieder besonders aktiv“, betonte Nadja Fischer. Doch laut Andreas Egl sind die Krabbler relativ spät in die Startlöcher gelangt. Durch das recht kühle Frühjahr habe sich der erste Schwärmflug zur Eiablage, der Anfang Mai erfolgt sei, „um rund zwei Wochen verzögert“.
Doch seitdem befallen die Käfer wieder zahlreiche Fichten. Egl kontrollierte jüngst eine Falle, die Borkenkäfer mit Duftstoffen anlockt, im Raum Weiltingen im südlichen Landkreis Ansbach.
In den Fangschächten stieß er auf wimmelndes Gekrabbel. Bereits im Mai seien in den im Landkreis Ansbach – ebenso wie im gesamten Freistaat – verteilten Borkenkäferfallen „zum Teil sehr hohe Werte“ registriert worden.
Ähnlich fiel das Fazit von Nadja Fischer aus: „In einigen Borkenkäferfallen lagen die Fangzahlen über der Gefährdungsschwelle, und es konnte im gesamten Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim bereits Stehendbefall festgestellt werden. Besonders gefährlich ist dabei, dass der Befall nicht flächig und somit gut sichtbar stattfindet, sondern in kleinen Nestern, die oft schwer zu finden sind.“
Stehendbefall bedeutet, dass zahlreiche Käfer ihre Eier auch in noch stehenden und Wurzeln schlagenden Fichten ablegen, die sich bei optimalen Bedingungen eigentlich gut gegen die Eindringlinge wehren könnten. Laut Egl ist das Problem, dass vor allem die Borkenkäferart Buchdrucker in den vergangenen Jahren „eine hohe Population aufbauen“ konnte. Deshalb rechnet er auch heuer, obwohl die Bäume im Frühjahr nach dem trockenen Winter gut mit Wasser versorgt wurden, „wieder mit größeren Schadflächen“.
Der Experte erläuterte: „Mit einzelnen Käfern kommt eine Fichte gut zurecht. Sie verklebt die einbohrenden Käfer mit Harz. Befallen aber sehr viele Käfer einen Baum oder ist der Baum geschwächt, kann er nicht mehr standhalten und stirbt ab.“
Doch die Waldbesitzer können dafür sorgen, dass gesunde Bäume nicht einer Übermacht der Käfer zum Opfer fallen: „Eine regelmäßige Kontrolle der Wälder, am besten alle ein bis zwei Wochen, sowie eine zügige Aufarbeitung und Abfuhr des befallenen Holzes sind gerade jetzt enorm wichtig. Andernfalls kann sich der Borkenkäfer, ausgehend von den Nestern, ungehindert ausbreiten“, so Nadja Fischer.
Derzeit lasse sich das Bohrmehl sehr gut erkennen. Starker Harzfluss sei ein weiterer Hinweis für einen Befall.
Auch bei liegenden Hölzern lohne sich ein Blick unter die Rinde, um sie eventuell umgehend aus dem Wald schaffen zu können. Wenn eine Abfuhr der Holzpolter nicht möglich sei, kann als „Ultima Ratio“ die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in Betracht kommen, teilte die Expertin mit.
Vorrangig befallen die Käfer den Angaben von Andreas Egl zufolge derzeit „liegendes, frisches Holz, aber auch geschwächte, stehende Fichten“. Auch er betonte: „Eine wirksame Bekämpfung ist zum Beispiel der Abtransport des befallenen Holzes und Lagerung in mindestens 500 Metern Entfernung zum nächsten Fichtenwald.“
Die Waldbesitzer seien „vom 1. April bis 30. September verpflichtet, ihre Fichtenwälder mindestens im Abstand von vier Wochen auf Käferbefall zu kontrollieren und entdeckten Befall wirksam zu bekämpfen“.
Ebenso wie seine Kollegin empfahl er dringend „derzeit eine noch engere Kontrolle, da die Bekämpfung zu Beginn der Entwicklung am wirkungsvollsten ist. Jetzt besteht die Chance, die Käferpopulation früh im Jahr abzuschöpfen und so die Ausbreitung des Befalls einzudämmen.“ Denn bei starkem Befall sterben die Bäume ab.