„Man muss die Menschen mögen.“ Diese Antwort bekommt man, wenn man Klaus Lenkner fragt, welche Eigenschaft man als Führungskraft unbedingt mitbringen sollte. 27 Jahre lang hat er nach diesem Grundprinzip das Unternehmen Neuberger geleitet.
Zum 1. April hat er die Position gewechselt. „Ich bin jetzt Teilzeit-Angestellter mit klar definierten Aufgaben“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Eine dieser Aufgaben ist der Neubau des Unternehmens in Rothenburg, der im Juni eingeweiht werden soll. Um den kümmert sich Lenkner.
Die zweite Aufgabe ist die des Ratgebers für seinen Nachfolger in der Geschäftsführung, Jürgen Metzger. Aber: „Nur, wenn er mich fragt“, betont Lenkner. Einfach so einmischen will er sich nicht, „das wäre eine schwierige Situation für alle“, findet er. Deswegen hat er die Verantwortung komplett an Metzger abgegeben.
Schwer gefallen ist ihm das nicht, sagt er. Immerhin arbeiten die beiden schon seit rund 20 Jahren zusammen. „Da kennt man sich gut.“ Und Lenkner ist sich sicher: „Jürgen Metzger wird das in meinem Sinne weiterführen.“
In seinem Sinne, das heißt zum Beispiel, nicht mit den Ängsten der Menschen zu spielen. Es heißt, dafür zu sorgen, dass ihre Arbeitsplätze sicher sind. Und es heißt, dass die Arbeit Spaß machen soll. „Nicht immer. Aber an vier von fünf Tagen sollte man gerne zur Arbeit gehen.“
Sein Unternehmen sieht er als eine große Familie. Eine mittlerweile ziemlich große: Seit der 65-Jährige vor 35 Jahren zu Neuberger kam hat sich das Unternehmen etwa vervierfacht. 650 Menschen arbeiten bei dem Experten für Gebäudeautomation, der seit 1995 zur Weishaupt-Gruppe gehört.
Wie begleitet man als Führungskraft ein solches Wachstum? „Kommunikation ist ganz wichtig“, sagt Lenkner. „Es ist nicht mehr so, dass jeder jeden kennt, das muss man akzeptieren.“ Dennoch müsse man es schaffen, dass sich jeder zugehörig fühlt. „Jeder muss sich ehrlich behandelt fühlen, durch alle Hierarchieebenen hindurch.“ Dann ließen sich auch schwierige Themen gemeinsam bewältigen. „Man muss sich danach noch positiv in die Augen schauen können.“
Hier schaltet sich Jürgen Metzger ins Gespräch ein und pflichtet Lenkner bei: „Jeder wird hier gebraucht, gegenseitige Wertschätzung ist ganz wichtig.“ Das gelte nicht nur für die Kolleginnen und Kollegen, sondern auch für die Kundenbeziehungen. „Wir setzen auf Ehrlichkeit, Transparenz und langfristige Beziehungen“, so Metzger. Er trete ein gutes Erbe an, findet er. „Mein Vorgänger hat mir keine Problemfelder hinterlassen.“ Nun habe er Zeit und Ruhe, in die neue Rolle hineinzufinden.
Sich diese zu nehmen, findet Lenkner wichtig. Denn rückblickend sagt er, dass auch seine eigene Einstellung mit der Zeit gereift, die Verantwortung mit den Erfahrungen gewachsen ist.
Er ist Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik, studiert hat er an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. 1989 kam er zu Neuberger – per Initiativbewerbung. Erst war er Projektleiter, dann Abteilungsleiter, schließlich Geschäftsführer. Und dabei immer Experte für den technischen Bereich. Auch Jürgen Metzger hat einen technischen Hintergrund. Der 56-Jährige hat ebenfalls Elektrotechnik studiert. 2002 startete er bei Neuberger im Vertrieb, 2006 übernahm er die Leitung der Abteilung. Drei Monate lang hat ihn Lenkner „intensiv in die Aufgaben der Geschäftsführung eingearbeitet“.
An vier von fünf Tagen sollte man gerne zur Arbeit gehen.
Jetzt fühlt er sich gut gerüstet für die zukünftigen Aufgaben. Genau wie Klaus Lenkner. „Für mich beginnt eine Zeit der neuen Möglichkeiten“, sagt er. Die Entscheidung, mit 65 Jahren kürzer zu treten, hat er bereits vor zweieinhalb Jahren getroffen. Jetzt freut er sich auf viele Dinge, für die zuvor keine Zeit war: Hobbys zum Beispiel, oder Kultur. „Ich lebe ja weiterhin hier in der Region, es gibt keinen sozialen Bruch.“
Die offizielle Übergabe an Jürgen Metzger sollte eigentlich ganz förmlich bei einer Betriebsversammlung Ende März stattfinden. „Aber wir haben uns etwas anderes ausgedacht – und gut geheimgehalten“, meint Metzger schmunzelnd.
„Als ich bei der vermeintlichen Versammlung ankam, standen die Mitarbeitenden quer durch den ganzen Raum Spalier“, erzählt Lenkner. Seine Familie war da, der unternehmenseigene Bläserchor spielte – „und ich war froh, dass ich nicht gleich meine Rede halten musste“, erinnert sich der ehemalige Geschäftsführer an diese emotionale Situation. „Seine menschliche und einfühlsame Art haben alle sehr geschätzt“, sagt Metzger. „Davon wollten wir ihm etwas zurückgeben.“