Das Wildbad und der Kongress für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM): Das gehört seit mehr als 50 Jahren fest zusammen. Vom 7. bis einschließlich 11. Mai, also in sechs Wochen, findet die Tagung statt – zum vermutlich letzten Mal im Wildbad.
Die Entscheidung der evangelischen Landeskirche, den Betrieb im Wildbad 2026 einzustellen, betrifft auch große Veranstaltungen wie den TCM-Kongress, den die Arbeitsgemeinschaft für Traditionelle Chinesische Medizin (AGTCM) organisiert.
Sie sitzt knapp 400 Kilometer von Rothenburg entfernt in Dortmund. Trotzdem wählt sie seit Jahrzehnten die Tagungsstätte für ihre fünftägige Veranstaltung. „Der Ort ist die Hälfte der Medaille“, sagt Dr. Martina Bögel-Witt. Sie ist die erste Vorsitzende der AGTCM.
Langjährige Teilnehmende würden die einzigartige Atmosphäre an der Tauber schätzen. „Viele verbringen ihre Pause auf der Wiese im Park, andere treffen sich auf einen Kaffee neben dem Rondell.“ Die Grünanlagen eigneten sich perfekt für eine morgendliche Qigong-Einheit oder die chinesische Kampfkunst Tai Chi, erklärt die Vorsitzende.
Dass das Wildbad nun zum letzten Mal Austragungsort des TCM-Kongresses sein wird, ist für Bögel-Witt und ihr Team ein „sehr schwerer Schlag“. Wo der Kongress in Zukunft stattfinden soll, kann sie aktuell noch nicht sagen. Jedoch hätten bereits interne Absprachen stattgefunden.
Die Tagung an einem anderen Ort in Rothenburg fortzuführen – auch das kommt für Dr. Martina Bögel-Witt infrage. „Wir schließen nichts aus“, sagt sie.
Dabei hat der TCM-Kongress im Wildbad Tradition. Nachdem sich die Arbeitsgemeinschaft 1954 gründete, trafen sich 15 Jahre später zum ersten Mal Akupunkteure in Rothenburg. „Das war noch eine ganz kleine Gruppe von 20 bis 30 Leuten“, erklärt die Vorsitzende.
Heute zählt die Gemeinschaft rund 1700 Mitglieder. Unter ihnen sind Heilpraktiker, Ärzte, Physiotherapeuten und Hebammen. Hinzukommen natürlich Akupunkteure. Während der Corona-Pandemie mussten sie mit dem Kongress in die digitale Welt ausweichen. Vergangenes Jahr fand er zum ersten Mal wieder mit 728 Teilnehmenden in altbewährter Form im Wildbad statt.
Das persönliche Zusammenkommen sei wichtig, aber auch immer schwieriger, wie Martina Bögel-Witt erklärt. Denn die Teilnehmenden kommen aus der ganzen Welt. Auch Gäste aus China sind regelmäßig dabei. Wenige Monate, bevor sie und ihr Team von der Schließung erfuhren, führte Bögel-Witt eine Mitgliederumfrage durch. Darin zeigte sich: Die Leute sind auch offen für digitale Treffen.
Mit dem Kongress ganz in die virtuelle Welt auszuweichen, wie es zum Zeitpunkt der Corona-Pandemie der Fall war, kann laut Bögel-Witt auch eine Alternative sein. „Noch ist aber alles offen“, betont sie.
Für die AGTCM bedeutet das letzte Mal TCM-Kongress im Wildbad einen Grund mehr, an der Tagung teilzunehmen. Das Hauptthema in diesem Jahr: „Shen und Psyche – Herz-Kreislauf-Erkrankungen“. Bei mehr als 50 Veranstaltungen könnten die Teilnehmenden mehr über ihren Körper und ihre Gesundheit lernen. Nicht zu vergessen seien natürlich die täglichen „Qigong am Morgen-Sessions“ im Park.
Aber auch ohne die zahlreichen Workshops, Vorträge und Fachausstellungen ist jeder TCM-Kongress ein großes Wiedersehen. „Unser Kongress ist jedes Jahr auch ein großes Familientreffen der TCM-Familie“, sagt Leiterin Julia Stier. Wo sich die große Gemeinde im kommenden Jahr trifft, bleibt offen.