Wildbad in Rothenburg soll als Ort der Begegnung erhalten werden | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 18.01.2024 17:29

Wildbad in Rothenburg soll als Ort der Begegnung erhalten werden

Die Seele des Wildbads soll erhalten bleiben. Das hoffen die Unterstützerinnen und Unterstützer der evangelischen Tagungsstätte. Einige von ihnen können nicht verstehen, dass sich „alles nur ums Geld dreht“. (Foto: Simone Hedler)
Die Seele des Wildbads soll erhalten bleiben. Das hoffen die Unterstützerinnen und Unterstützer der evangelischen Tagungsstätte. Einige von ihnen können nicht verstehen, dass sich „alles nur ums Geld dreht“. (Foto: Simone Hedler)
Die Seele des Wildbads soll erhalten bleiben. Das hoffen die Unterstützerinnen und Unterstützer der evangelischen Tagungsstätte. Einige von ihnen können nicht verstehen, dass sich „alles nur ums Geld dreht“. (Foto: Simone Hedler)

Den Auftritt des „Norim Quartetts“ im Wildbad nutzten Camilla Ebert und Christine Birmann, um Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen, die die Erhaltung der Tagungsstätte unterstützen. Die beiden haben unter anderem eine Unterschriftenaktion dazu gestartet.

Bei dem Konzert wollten sie nun das gemeinsame Anliegen diskutieren. Am Ende war es eine kleine Runde mit sieben Personen, die sich im Blauen Salon des Wildbads zusammensetzte. Es wurden Argumente ausgetauscht, informiert und offen diskutiert.

In einem Punkt waren sich alle einig: Das Wildbad muss als Ort der Begegnung erhalten und offen für die Stadt und die gesamte Region bleiben. „Dieser wunderbare Ort mit dem Park und der Tauber ist ein Juwel“, war die einhellige Meinung.

Wird die Entscheidung korrigiert?

Vonseiten des Wildbads hörte man allerdings auch nachdenklich stimmende Worte. Hier war von einem nicht umkehrbaren Prozess die Rede, Zweifel wurden laut daran, dass die Landeskirche die Entscheidung korrigieren könnte. Vom Haus her sei dieser Prozess auf jeden Fall nicht zu steuern, da es eine klare Rollenverteilung gebe.

Der Landeskirchenrat müsse nicht fragen, wenn er so ein Haus schließe. Die Synode sei über diesen Schritt informiert worden, für den die beiden Organe der Landeskirche – der Landeskirchenrat und der Landesbischof – die Verantwortung trügen. Der Prozess mit der Landeskirche wurde jedoch als „wertschätzend und transparent“ gelobt.

Diana Reinhard aus Kitzingen gehört als regelmäßige Besucherin des Wildbads dem Unterstützerkreis an. „Über Kirchensteuer und Kirchenaustritte möchte ich gar nicht reden“, sagt sie und findet deutliche Worte. „Die beiden großen christlichen Kirchen hatten 2023 so viele Kirchensteuereinnahmen wie nie zuvor. Bei diesem Thema bekomme ich einen dicken Hals, weil es nur um Gewinnmaximierung geht. Die Kirche bekommt vom Staat die Kirchensteuer, damit sie soziale Aufgaben übernimmt. Die Landeskirche duckt sich weg.“ An das Mitarbeiter-Team des Wildbades gewandt fügte sie hinzu: „Ihr leistet einen tollen Job!“

Wolfgang Schuhmacher, Leiter der Tagungsstätte, fand kurz vor Konzertbeginn im Theatersaal einige Minuten Zeit, um die aktuelle Lage darzulegen. „Wir kämpfen für dieses Haus“, sagte er. Es stehe aber fest, dass von der Landeskirche ab 2026 keine Zuschüsse mehr fließen. „Wir müssen realisieren, dass bis 2030 192 Millionen Euro eingespart werden müssen.“ Dazu gehöre auch das Wildbad. Wenn dieses verkauft werden sollte, heiße das aber nicht, dass die anderen Häuser der Landeskirche sicher seien. „Dort wird man sich auch überlegen müssen, wie die Finanzierung weitergehen könnte.“ Auf jeden Fall solle das Wildbad ein „kirchennahes Haus“ bleiben, egal unter welcher Trägerschaft.

Ein Mitarbeiter, dessen Name nicht genannt werden soll, gab zu bedenken, dass der Bauunterhalt des Gebäudes „kein Pappenstiel“ sei. Der Betrieb könne vielleicht sogar kostendeckend geführt werden, „wenn wir deutlich mehr Zimmer hätten“. Für einen dafür notwendigen Umbau wären jedoch sehr hohe Investitionen zu erwarten. „Da muss richtig viel Geld in die Hand genommen werden. Ich verstehe die Kirche, wenn sie sagt: ,Wir müssen sparen.‘“ Diana Reinhard argumentierte hingegen, sie könne nicht verstehen, dass sich alles nur ums Geld drehe. „Da kann sich die Landeskirche nicht aus der Verantwortung stehlen.“

Auf den ausliegenden Unterstützungslisten haben bis jetzt 6720 Personen unterschrieben. Die Unterschriften sollen am Montag, 22. Januar, der Dekanin Jutta Holzheuer übergeben werden. Auf dem Weg über die Regionalbischöfin Gisela Bornowski sollen sie den Landeskirchenrat in München erreichen.

Von Ideenschmiede werden Impulse erhofft

Unter der Leitung der Dekanin will die von ihr ins Leben gerufene Ideenschmiede zeitnah nach neuen Lösungen für das Wildbad suchen. Vertreterinnen und Vertreter aus der Politik und der Kirche sowie von Banken und Vereinen haben bereits als Ideenfinder und Unterstützer für den Fortbestand des Wildbades ihre Hilfe zugesichert. Camilla Ebert und Christine Birmann sind sich jedenfalls sicher: „Eine Übernahme zu rein kommerziellen Zwecken wird der Seele des Wildbades mit Sicherheit nicht gerecht werden.“


Von Karl-Heinz Gisbertz
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